„Am liebsten — alles, was Sie können ... am liebsten hörte ich Sie ganz allein ... den ganzen Abend. Ich werde gar nicht müde, Ihnen zuzuhören. Ich habe schon meiner Schwester nach Wien von Ihnen geschrieben. Meine Schwester ist dort an einen Fürsten Reichenberg verheiratet. Er hat was zu sagen in der Wiener Hofopernintendanz. Geben Sie acht — es dauert nicht lange, und Sie bekommen einen Gastspielantrag dorthin. Man will die Primadonna dort nämlich ein bißchen kaltstellen und wird ihre erste Absage dazu benutzen, Sie kommen zu lassen ... Also — bereit sein, ist alles.“

„Wie ein Geschenk ist das wieder ... wie ein Geschenk“, murmelte sie ganz ergriffen.

„Ein anderes darf ich Ihnen ja leider nicht machen ...“

Ihre Augen irrten, wie Beistand suchend, im Zimmer umher. Aber nichts war ihr darin vertraut, nichts lieb — nichts stützte oder hielt sie gefangen. Wie in der Luft schwebte sie.

„Mein Mann gibt gerade Unterricht — sonst ...“

Es war ihr letzter Rettungsanker.

Aber er stand auf. Gar nichts lag ihm daran, den Mann kennenzulernen. Er konnte sich schon denken ... das Zimmer genügte: kahl, nüchtern, bürgerlich sauber und solide. In diese spießbürgerliche Atmosphäre wollte er sich nicht einspinnen lassen. Wollte auch sie nicht darin sehen, deren Stimme ihm die reinsten und edelsten Freuden gegeben hatte.

„Empfehlen Sie mich bitte, gnädige Frau ... meine Zeit ist leider beschränkt ...“

Sie verstand und hielt ihn nicht zurück.

Er verneigte sich kurz und tief. Sie blieb auf dem Fleck stehen, mit herabhängenden Armen, neigte nur den Kopf zum Abschied und stand noch so da, als die Eingangstür hinter ihm ins Schloß fiel.