„Da hatte ich alter Esel gehofft ... na ... Die Feuerwehr hätte ruhig ein bißchen später kommen können.“

„Es wäre schade gewesen um den Bechstein“, sagte Karla, mit einem Versuch zu lächeln ...

„Ja, um den allenfalls. — — Also ich sehe, es ist wieder alles beim alten ... da kann ich gehen. Immerhin: Brand am Weihnachtsabend bei Karla König ... machte sich ganz nett ... Das lesen mehr Leute, als wenn was über deine Sieglinde drinsteht ... Wo ist übrigens Altmann? Bei der Feuerversicherung ... ja ... natürlich. Pauline sagt, ich müßte auch ... Sie nimmt sich ein bißchen viel heraus, die gute Pauline .. Bin mein Lebtag ohne alle Versicherungen ausgekommen ... Was hätte ich auch zu versichern? ... Ein bißchen Geschmack vielleicht ... der ist nicht zu substanzieren. Also pa, Kleine ... halt’ die Fenster auf ... es riecht noch eklig säuerlich in den Zimmern. Paß’ auf, daß der Geruch nicht bleibt. Es gibt so Wohnungen ... Menschen auch ... und es ist ansteckend — paß’ auf ...!“

Es war merkwürdig: Karlas sehr ernste künstlerische Erfolge hatten ihren Namen in Berlin weniger bekannt gemacht als die paar Löcher, die ein flammender Tannenzweig in den Teppich gebrannt hatte. Ihr Name wurde auch jenen geläufig, die das Opernhaus nur alle drei Jahre wie zu einem Weihfestspiel betraten. Damen der großen Wohltätigkeit wurden auf sie aufmerksam, baten sie um ihre Mitwirkung bei ihren Veranstaltungen.

Eines Tages brachte das Mädchen ihr eine Karte herein, bei deren Anblick Karla alles Blut zu Kopf schoß. Sie wollte sich erst verleugnen lassen, aber dann lief sie selbst auf die kurze, in einen Gang auslaufende Diele hinaus. Es war lächerlich und unpassend. Aber das fiel ihr erst viel später ein — als sie schon mit Gaudlitz in ihrem kleinen, kahlen Empfangszimmer saß und die seidenen Fransen der ockergelben Tischdecke unruhig zusammenflocht.

Gaudlitz war gekommen, um sich ihrer Mitwirkung in einem großen Fest in der Philharmonie zu versichern.

„Ich gehöre nun einmal zum Komitee — und da konnte ich mir die Freude nicht versagen, selbst zu Ihnen zu kommen und Sie sehr inständig zu bitten ...“

Er brach ab, sah sie lachend an und wußte, daß er gar nicht viel zu bitten brauchte.

Sie hatte keine Spur von Koketterie. Ganz offen leuchtete ihr die Freude aus den Augen, ihm „ja“ sagen zu dürfen. Und nur, als er ihre Hand dankend an die Lippen zog, da flammten ihre Wangen auf.

„Ach, lassen Sie das, Graf Gaudlitz, Sie haben gar nicht zu danken — ich komme ja so gerne. Was wollen Sie, daß ich singe?“