„Hättest du mir doch gleich gesagt, Karla ... Es war deine Pflicht ... aber du zogst es vor, Heimlichkeiten mit Vicki zu haben ...“

So waren Adelens erste Worte. Nicht überlegt, ganz triebhaft entlastete sie sich selbst durch die unsinnigste Beschuldigung anderer.

Karla verstand nichts ... nur auf ihre Freude senkte sich plötzlich eine schwere, schwarze Wolke ...

„Beruhige dich, Adele ... beruhige dich, meine Liebe ...“, sagte Altmann und hielt schon Bodo Völkels Brief in der Hand; Luise las über seine Schulter hinweg mit. Adele schluchzte und fiel auf das Ruhebett, so nahe dem wundervollen weißen Kleid, daß ihr alter Mantel es bei jeder Bewegung streifte, seine Spitzen verknitterte. Aber wer achtete noch darauf ...

Hier wurde über zwei Menschenleben zu Gericht gesessen.

„Er ist ein Schuft, aber Vicki muß seine Frau werden ...“

Adele wiederholte es wieder und immer wieder.

Karla zog ihre feine, weiße Frisierjacke enger um die Schultern. Es war ihr, als würde sie in Eiswasser getaucht. Wie schrecklich war das alles ... Wenn er ein Schuft war, durfte Vicki ihn doch nicht heiraten! ...

„Sprich keinen Unsinn“, schnitt Altmann erregt ab.

Luise sagte gar nichts. Sie biß an der Unterlippe. Ihre lange, hagere Gestalt drückte tiefsten Widerwillen aus, um ihren Mund lagen Ekel und Empörung. Ihre starre, nie bedrohte Tugend faßte es nicht, daß das Kind ihrer leiblichen Schwester sich so weit hatte vergessen können. Aber schließlich sagte auch sie, wenn auch stockend und mit tiefem Abscheu: „Er muß Vicki heiraten — er muß!“