Es war bereits sieben Uhr, als sie an der Klingel in der Landgrafenstraße zog.

Karla saß im Schlafzimmer vor ihrem Ankleidespiegel und summte leise ein paar Töne vor sich hin. Sie war so froh, in so seeliger Stimmung. Heute war das große Fest in der Philharmonie — Gaudlitz hatte drei wundervolle Teerosen geschickt, „zum Anstecken“, in einem schlanken, schillernden Tiffanyglas. Ihr süßer Duft erfüllte das ganze Zimmer wie mit einem Vorahnen allerhand schönen Erlebens.

Karla hatte eben ihr neues Konzertkleid bekommen — weiß mit gold. Sie hatte kaum die Rechnung angesehen.

Für den heutigen Abend war ihr nichts zu schön, zu kostbar. Und ein jäh aufsteigendes Erschrecken über ihren Leichtsinn beschwichtigte sie mit einem: Für Wien brauche ich es ja doch ...

„Bildschön sehen gnädige Frau darin aus“, hatte ihr die große Schneiderin gesagt.

Daran mußte sie jetzt denken, und wie ein hüpfendes helles Licht, so spukte ein immer wieder auftauchendes Lächeln über ihr noch immer junges, hübsches Gesicht, vertiefte die schelmischen Grübchen in Kinn und Wangen, die ihm so leicht etwas Kindliches gaben ...

Oh, wie sie sich freute! — — —

Da stürzte fast ohne Anklopfen Adele in ihr Zimmer, hinter ihr Luise. Und Luise rief:

„Ernst ... so komm doch, Ernst ... es ist etwas Wichtiges ...“

Da standen nun die drei Altmannschen Geschwister — Adele in der Mitte, trotz ihrer Rundlichkeit wie Schutz suchend zwischen dem Bruder und Luise.