„Ja ... ja, natürlich ... sagt es nur Alwin nicht ... dem ist es peinlich.“

Luise bestand darauf, daß man das Brautpaar mit den Eltern zu Tisch lüde.

„Wenn du meinst ...“, sagte Karla.

Ihr war auch manches peinlich, aber sie wagte sich nicht vor damit. Es ging alles leichter, als sie gedacht hatte. Vicki war glücklich und ungewohnt still. Selbst Fritz traute sich mit seinen kleinen Anrempeleien nicht an sie heran. Völkel war höflich, beschränkte seine Worte auf das Nötigste und zuckte kaum merklich mit den Brauen, wenn Vicki nach seiner Hand griff. Er träumte von Palästen und mußte aufmerksam zuhören, wenn die Schwiegermutter ihm die Vorteile der von ihr gemieteten Dreizimmerwohnung pries.

Fritz fand den Schwager „schneidig“. Der hatte Haare auf den Zähnen! Die „Weiberwirtschaft“ zu Hause hatte ihm schon lange nicht gefallen. Vicki würde er „Kandare reiten“ ...

Einige Tage vor der Hochzeit kam Adele, die telephonisch erfahren hatte, daß Karla noch auf der Probe war, an den Bühneneingang. Sie sah sehr geschäftig und geheimnisvoll aus.

„Ach, höre mal, Karla, ich habe eine kleine Bitte an dich.“

Karla war abgespannt und lächelte müde. „Ja ... also, Adele, was soll es ...?“

Sie schritt, trotz Müdigkeit, ihrer Gewohnheit nach rasch aus in dem sandfarbenen Schneiderkleid, unter dessen Jacke eine weiße Batistbluse hervorquoll. Ein flotter, einfacher Frühlingshut saß schräg auf ihrem dunklen Haar. Wenn sie ging, raschelte das seidene Futter, und ihr goldenes Täschchen mit den vielerlei Anhängseln, das Geschenk einer in Brasilien ansässigen deutschen Kolonie, glitzerte in dem warmen Gefunkel der Sonne. Wie sich die rausgemacht hat, dachte Adele. Ein klein wenig Neid lag stets auf dem Grunde ihres Wesens gegen alles, was sie überflügelte.

„Ja also, folgendes. Aber — dein Wort darauf, es bleibt unter uns zweien — dein Wort?“ ...