Sie mühte sich, sehr sanft, sehr ruhig zu bleiben. Luise hatte sich ja „aufgeopfert“! Aber der Bissen blieb ihr im Halse stecken, wenn sie sah, wie das Kind manchmal lächelte. So erwachsen. So bewußt. Und wie es in dem Lächeln die beiden einte, die in ihrer Krankheit um es gewesen waren.
Wie es in der Motzstraße ginge?
Luise machte ein leidendes Gesicht. Sie sah in diesem Augenblick Altmann zum Verwechseln ähnlich.
„Alwin arbeitet sich zuschanden, und Adele hat Vickis Zimmer an einen Herrn vermietet. Das macht weniger Arbeit als Jungens. So kräftig ist Adele nicht mehr — die hat sich verbraucht im Hause. Wenn man für alles aufkommen muß ...“
„Alwin hat doch immer verdient“, unterbrach Karla und hatte Mühe, ihren aufsteigenden Ärger zu unterdrücken.
„Ja, ja, gewiß ... das ist selbstverständlich. Aber knapp war’s. Und einteilen und auskommen, das ist zum mindesten so aufreibend wie verdienen. Das hast du ja gottlob nicht nötig gehabt. Das hat dir unser guter Ernst immer abgenommen. Aber es ist nicht leicht, glaube mir ...“
Was das junge Paar machte? Karla war froh, wenn sie etwas fand, was ablenkte von ihr.
Das junge Paar ließ sich fast gar nicht sehen. Zweimal war Vicki im ganzen bei der Mutter gewesen in diesen vier Wochen. Eigentlich nur, um sich ein paar Zwanzigmarkstücke zu holen. Sie sparte, soviel sie konnte, aber Bodo brauchte sehr viel außer dem Hause. Anzüge und Geld fürs Café und Restaurants. Er machte viel neue Bekanntschaften, behauptete, die würden sich schon eines Tages rentieren. Im übrigen ließ er sich bei den Schwiegereltern nicht sehen.
Einmal, ganz im Anfang von Karlas Abwesenheit, waren sie alle in einem Biergarten zusammengewesen.
„Aber nicht wahr, Ernst, gemütlich war es eigentlich nicht?“