Der Juwelier hatte nur zweiseitige Medaillons vorrätig und fragte, ob sie nicht ein Bild für die zweite Seite habe. Aber Schmerzchens letztes Bild war vor mehr als einem Jahre aufgenommen, und jetzt sah das Kind noch immer so elend aus, daß sie es nicht photographieren lassen mochte. Später.

Als sie nach Hause kam, erschrak sie, weil sie Schmerzchen mit dem runden Jungenskopf nicht gleich erkannte.

Schmerzchen sah dem Vater sprechend ähnlich.

Luise und Altmann sprachen an diesem Abend viel von dieser Ähnlichkeit, so daß Karla darüber sogar ihre Namensveränderung vergaß.

Erst am nächsten Abend wurde sie wieder daran erinnert. Gegen seine Gewohnheit kam der Papa zu ihr in die Garderobe.

„War gespannt, liebes Kind, zu hören, wie — Frau König-Altmann singt — erwartete eine bedeutsame Veränderung, aber ich muß gestehen ... daß ich nur eine kleine Mattigkeit bemerkt habe ... vielleicht von der Bürde solcher zwei Namen ... Warum läßt du ‚König‘ nicht ganz fort ... eigentlich überflüssig, wie?“

Der Papa war sehr gallig. Aber in einem hatte er recht: Karla war an diesem Abend wirklich nicht ganz auf der Höhe.

Und auf dem Eckplatz des ersten Ranges saß ein wildfremder, dicker Herr mit einem breiten, schwarzen Klemmer auf der Nase. — — —

— — In der Motzstraße war die Familie um den Abendbrottisch versammelt. Karla war in Potsdam zu einem Hofkonzert, das am Spätnachmittag stattfand. Sie hatte versprochen, geradeswegs in die Motzstraße zu kommen, wenn sie fertig wäre. Adele war rasend neugierig, wie es „bei Kaisers“ zuging. Übermorgen fand ihr Kaffeekränzchen statt — das gab dann Gesprächsstoff, und ein bißchen von dem Glanz, der sich um Karlas Namen verdichtete, fiel dann auch auf sie ab und ihr Haus. Sie brauchte sich dann von den Damen auch nicht so viel über Vicki ausfragen zu lassen.

Adele hatte es schwer. Immer mußte sie entschuldigen, bemänteln. Auch ihrem Manne gegenüber. Harte Worte lagen ihm nicht. Aber Bitterkeit legte sich auch um seine Mundwinkel, wenn er sich nach Vicki erkundigte. Er zählte manchmal an den Fingern die Wochen ab, die sie sich nicht hatte sehen lassen, als wüßte sie nicht, welche Arbeitslast der Vater auf sich genommen, um den jungen Hausstand zu stützen. Ein Teil der Möbel hatte auf Abzahlung genommen werden müssen, weil Bodo Völkel erklärt hatte, daß er die Spießereinrichtung, die Luise für ihn in Aussicht genommen, nicht über seine Schwelle ließe. Er wollte sich seine Umgebung selbst zusammenstellen. Wenn es auch ein bißchen teurer würde, so hätte er doch Verbindungen, die eine bequeme Abzahlung ermöglichten.