Und Karla stützte sich auf seinen Arm mit einem Ausdruck fast herausfordernder Besitzerfreude, und sie machte sich so schwer, drückte sich so nahe an ihn heran, daß er ihr zuflüsterte:
„Aufpassen, Karla, du zerdrückst meine Manschetten.“
Denn er wußte nicht, was jetzt eben in ihrer Seele vorgegangen war; wohl aber verlor er nie das Gefühl für die Wirklichkeit und das leise Bangen vor jeder leichtsinnigen Ausgabe.
Als sie auf die Straße herunterkamen, fuhr gerade der Omnibus vorüber.
„Halt!“ rief er.
Karla machte große Augen, denn sie hatte sich auf die Wagenfahrt gespitzt. Aber sie wagte keine Bemerkung. Sie hatte nur nicht mehr dieselbe Freude an ihrem Mann, als sie ihn eingequetscht sah zwischen einer Frau mit einem Gemüsekorb und einem Kindermädchen mit einem Schokolade essenden kleinen Jungen.
Es war erstaunlich, wie schmal sich Altmann machen konnte ....
Nun, es war jedenfalls gut, daß er so sparsam war ....
Aber ihre lebhaften braunen Augen starrten sehnsüchtig durch das Fenster hinaus auf die durch das Abendlicht vergoldete Straße.
Sie kannte nicht viel von Berlin, weil sie in Braunschweig aufgewachsen und nur ein halbes Jahr beim Papa geblieben war, bevor sie ihr erstes Engagement angetreten hatte. Aber so schön wie heute war ihr Berlin nie erschienen. Die prachtvollen Läden, die elegant angezogenen Frauen, die Cafés, aus denen jetzt schon das elektrische Licht in Garben herausstrahlte — das alles verwirrte und berauschte sie.