„So, Kind .... das ist nicht so auffällig.“
„Aber ....“
Sie hätte fast losgeheult. Ihren einzigen schönen Hut so zu verunstalten. Pfennig auf Pfennig hatte sie vom Wirtschaftsgeld abgeknapst, um ihn zu kaufen. Zwanzig Mark hatte er gekostet .... gerade wegen der Federn! ... Wütend war sie! Und feuerrot vor Ärger.
Er tat, als merke er es nicht.
„Hast du deinen Umhang? Nimm noch ein Tuch mit. Die Abende sind kühl. Du könntest dich erkälten.“
Immer war er besorgt. Sie lächelte wieder.
Und im Treppenhaus suchte sie es so einzurichten, daß sie seine Gestalt in dem schmalen Pfeilerspiegel sehen konnte. Wirklich vornehm sah er aus in dem zweireihigen schwarzen Rock.
Seine frisch rasierten Wangen schimmerten bläulich. Die über der Nasenwurzel fast zusammengewachsenen Brauen gaben seinem regelmäßigen Gesicht einen strengen Ausdruck, der gemildert wurde durch die geschwungene Linie der schmalen Lippen. Freilich — wenn die Lippen sich senkten .... dann sah sein Gesicht aus wie eine tragische Maske. Aber wenn die Lippen lächelten — wie eben jetzt — und die elfenbeinfarbenen, gesunden Zähne sehen ließen, dann ... ja dann war Karla immer aufs neue bereit, sich in ihren Mann zu verlieben.
In der einen Hand hielt er ein Paar hellbrauner Handschuhe, in der anderen einen Stock mit silberner Krücke, die sie kurz zuvor mit Zahnpulver, vermischt mit ein paar Tropfen Kölner Wasser — blankgerieben hatte.
Er sah ungemein elegant aus.