Sie rechnete der Tochter vor, wieviel ihr eigener junger Haushalt gekostet hatte. Nicht die Hälfte!

„Und Vater hatte immer ein paar Silberstücke in der Tasche zum Ausgehen!“

Das war jetzt anders. Die Silberstücke bekam Vicki. Und wenn’s in den letzten Tagen des Monats nicht langte für Fleisch, dann aß sie eben ein paar Eier oder einen Grießbrei, während er auswärts speiste, bei Bekannten oder auf Borg in einem guten Gasthaus, wo man ihn kannte! Und der Kellner rief sogar beim Weitergeben der Bestellung zur Küche: „Für den Herrn Baumeister!“, woraufhin Bodo Völkel das Essen besonders reichlich zugemessen wurde.

Der Bodo kannte sich eben aus. Der Bodo war nicht so wie Vater! Der Bodo verstand es, sich in der schwierigsten Lage zu helfen! Sie würden noch alle staunen, wie weit der Bodo es brächte! Das stilisierte Bauernhaus hatte er dem Grafen Gaudlitz ausgeredet und einen Plan für ein prachtvolles vierstöckiges Miethaus entworfen. Die Zukunft Berlins läge in der Gegend! Palast an Palast würde sich da erheben. Graf Gaudlitz sollte den Anfang machen.

„Und der Graf ist darauf eingegangen. Nur ist es mittlerweile zu spät geworden, und so kann der Bau erst im Frühjahr beginnen.“

„Das Bauernhaus jetzt wäre mir lieber gewesen als der Palast in der Zukunft!“

Adele seufzte schwerbedrückt auf; immerhin, sie gab die heiß verlangten Goldstücke.

Eine stürmische, rasche Umarmung, und Vicki verschwand bis zur nächsten Geldklemme.

Adele aber sah, wie ihr Mann immer grauer wurde in der stickigen Luft des verqualmten Zimmers und der überfüllten Schulstube. Ja, es kam vor, daß er mit warmen Flanelltüchern über dem Magen zum Unterricht ging, oder daß sie ihm rasch Pfeffermünztee mit Baldrian hereinbringen mußte, wenn er mit einem Privatschüler an seinem Tisch saß.

Sie sagte dann: „Du mußt zum Arzt. Ich verlange es, Alwin ...“