Vicki hatte schon den schweren Tritt gesegneter Frauen. Sie begrüßte alle flüchtig und ein bißchen verlegen. Sie begann zu erzählen.
„Der Bau“ sollte bereits im März begonnen werden. Dann klappte auch alles mit dem Geld — das würde Bodo schon einrichten. Nur die paar Monate noch ... Bodo wollte sich mit einem Kapitalisten vereinigen ... irgendeinem reichen Kerl vom Bau, der nicht viel konnte und nach Aufträgen lechzte. Es liefen so viele in Berlin herum. Bodo sagte, bald bräche die goldene Zeit für die Baumeister an. Man müsse sich nur ranhalten und endlich mal den alten Kram über den Haufen werfen. Die Leute würden wohl im Anfang schimpfen, aber das war ja immer so! Nur nicht nachgeben, ihnen das Verrückteste vorsetzen, alle alten Gesetze auf den Kopf stellen — verblüfft mußten sie werden! Und pompös mußte es sein — die Pracht müßte ihnen den Atem rauben! Dann zögen sie in die neuen Häuser ein. Vor allem die Fassade ... die Fassaden wären die Hauptsache!
„Und die Wohnungen?“ fragte Alwin Maurer.
„Bodo ist der Meinung, der Schwerpunkt der Pracht und Raumverschwendung müßte jetzt nach außen verlegt werden. Das lockt an. Die Wohnungen bedürften keiner solchen räumlichen Ausdehnung, und in einem Zimmer dürften nie mehr als drei, vier Sessel stehen und überhaupt sehr wenige Gegenstände. Unsere Zimmer sollen eine Andeutung über uns geben, keinen Roman erzählen ...“
Dr. Maurer streifte die Asche seiner Zigarre ab.
„Sehr nett — Andeutung. Nur leider stapelt sich im Laufe des Lebens allerlei Kram an, der einem wertvoller ist, als eure Andeutung. Das Leben, liebes Kind, weiß mit Andeutungen verflucht wenig anzufangen. Das sind so eure jungen Hirngespinste —“
Alwin Maurer brach ab. Ihm war es, als sähen Karlas Augen traurig zu ihm herüber.
Ja so ... nun sprach er wirklich wie ein alter Mann, wie einer, der am Rande des Lebens stand und nur zusah, mißtrauisch und übellaunig, wie die Jungen drüben ihre neue, junge Zeit zurechtzimmerten ...
„Ja .. ja .. Vicki, mag schon sein ... alles Gute deinem Mann ... alles Gute.“
Vicki küßte die Hand des Vaters, die graue, schlappe Hand. Aber ihre Augen irrten immer wieder zur Mutter — fragend, bittend.