Alles, was ihr eingedrillt worden war von Jugend auf: Gehorsam gegen den Vorgesetzten, Bescheidenheit, stilles Dulden, nicht herumdeuteln an dem, was Größere aufgebaut hatten, stillschweigende Pflichterfüllung ...
War denn das alles nichts, großer Gott — war das so garnichts?
„Wir wußten es nicht anders ... nicht wahr, Luise ... anders wußten wir es nicht ...“
Alwin Maurer wollte seine Hand auf Adelens Arm legen, aber er reichte nicht bis hin; und so blieb sie liegen auf dem bläulich-weißen Tischtuch — grau, schlaff, kraftlos und wohlgepflegt — das Sinnbild seines Lebens.
Altmann legte beide Arme um die Schwestern.
„Alwin hat recht ... laßt das jetzt ... es ist müßige Spielerei, sich vorzustellen, wie es hätte sein können ... Es war nicht — weil der Geist der Auflehnung nicht in euch lag, weil ihr im Grunde Wertvolleres könnt als Umstürzen: Ihr erhaltet! Ihr seid nicht der Pflug, der den Boden aufreißt, ihr seid der Speicher, der unser Korn birgt für unser tägliches Brot. Habt Dank, ihr Lieben, auch dafür! Meinst du nicht auch, Alwin?“
Alwin Maurer nickte matt.
„Ja ... auch dafür.“
Seine Hand kroch langsam vom Tischtuch herab. Es war vielleicht gut, daß es tönende Worte gab. Die Frauen trockneten ihre Tränen.
Knapp vor zehn Uhr klingelte es von draußen. Es war Vicki. So spät am Sonntag — da hatte sie es wieder einmal „dringend“!