Adele hatte beide Arme auf den Tisch geworfen und das Gesicht vergraben. Ihre Schultern zuckten. Luise rieselten die Tränen, klein, kalt und schnell der Nase entlang.
Karla lief auf den Schwager zu, schlang ihren Arm um seine Schultern. Der frische Duft ihres jungen Körpers rüttelte alles in ihm wach: die eigene Jugend, die frischen, starken Gedanken, das heiße Sehnen ...
„So rede doch, Alwin ... lieber guter Alwin!“
„Da gibt’s nichts zu reden ... Karla ... Ernst kann es dir später erzählen ... später ... jetzt nicht ... Es gibt eben Irrtümer ... mein Leben war ein Irrtum ... für mich und ... für die da.“
Er zeigte mit dem Kopf auf Frau und Schwägerin.
„Solange man jung ist ... kann man’s gutmachen ... aber jetzt ... da bleibt nur ein Trost: die gute Absicht. Sie meinten es ja alle gut ...“
Und er fügte hinzu:
„Dein Mann erfuhr es übrigens später. Da war es geschehen ... da hatte ich ... da hatte ich es schon getan ...“
„Wie konnten wir ahnen, daß es so aufgefaßt werden würde ... der Direktor selbst ...“
Adele schluchzte fassungslos vor sich hin. Alles war aufgewühlt in ihr. Eine Welt stürzte in ihr zusammen.