Sein Körper wendete sich, als suche er die Wagenstufen, in seinen Augen glomm es auf.

„Du, Karla ...“

Aber die letzte Tür wurde zugeschlagen, die Schwestern drängten sich mit ihren weißen Tüchern an seine Seite.

„Zurück! ... Platz da! ...“ rief der Schaffner.

Altmann griff nach seinem Hut. Und während der Zug langsam aus der Halle glitt, die weißen Tücher neben ihm wehten, erstand vor seinem inneren Auge jener Tag, da er neben Karla an dem offenen Wagenfenster gestanden und sie beide vereint die Fahrt ins Ungewisse, in die weite Welt angetreten hatten — — — — —

— — — Karla war traurig. Traurig darüber, daß die Trennung ihr so leicht geworden war, daß sie beinahe aufgeatmet hatte, als sich der Zug in Bewegung setzte. Als wenn eine Last von ihr abgefallen wäre —

Und wie aus weiter Ferne drangen die Worte des alten Kieler Direktors an ihr Ohr: „Schleppen wirst du an ihm, denk dran, Kleine ... Du wirst schleppen!“

Nur vierzehn Tage heraus aus dem allen ... vierzehn Tage an sich denken dürfen, nur an sich und was sie tief in ihrem innersten Empfinden barg ... Wenn Gaudlitz auch weit weg war, in einem anderen Weltteil, ohne Abschied und Gruß in der Ferne blieb ... sie bebte dem Augenblick entgegen, da sie in seiner Schwester etwas von ihm wiederzufinden hoffte.

Langsam rollte der Zug über die Gleise der inneren Stadt.

Karla stellte sich an das breite Fenster des Ganges. In dem flirrenden Licht der Bogenlampen liefen und drängten die Menschen durcheinander. Plötzlich zuckte sie zusammen.