Vicki Völkel rauschte in Seide und Samt, seit ihr Bodo Aufträge hatte. Sein erstes Haus hatte verblüfft. Man fing sogar schon an, von einem Völkelschen Stil zu sprechen. Er machte Schule, seit er einen reichen Teilhaber gefunden hatte. Es hieß, er sollte ein Theater bauen. Vicki sprach von nichts anderem. Völkels wohnten jetzt in dem erst neuerbauten Hause am Kurfürstendamm draußen ...

Sie hielten zwei Mädchen und eine Nurse. Trotzdem kam es noch vor, daß Vicki die Mutter um einige Goldstücke anpumpte. Aufgeschrieben und eingeteilt wurde nichts. Die „Kasse“ waren die Brief- und die Hosentaschen Bodo Völkels! Vicki hatte keine Ahnung von seinen Einnahmen. Aber da er ihr die Hunderter über den Tisch zuwarf, so wirtschaftete sie darauf los, bis es alle war. Es kam aber vor, daß er, ohne sie vorher zu benachrichtigen, plötzlich auf eine Woche und mehr verreiste — mit der „Kasse“ natürlich. Langte es nicht bis zu seiner Rückkehr, wurden die Eltern angepumpt. Ohne Bedenken und aus dem sicheren Gefühl des Vollen heraus. Aber zurückgezahlt hatte Vicki kaum je etwas.

Jedenfalls würde sie sich über den hübschen Schlafrock freuen. Altmann hatte sie eines Morgens in einem alten Rock und vertragener Bluse überrascht und daraus geschlossen, daß es vorläufig noch nicht für alles „langte“, sondern das Geld hauptsächlich nach außen hin angelegt wurde.

Und dabei saß Altmann doch wieder am Abendbrottisch in Karlas Wohnung. Sie hatte ihn nicht fortgelassen. Als müßte sie ihm noch diese letzte Herzlichkeit erweisen, ehe er abfuhr. Sie sagte stockend und die Farbe wechselnd:

„Mich kostet mein Leben so wenig — ich habe immer so viel Geld übrig. Du brauchst mir nur zu sagen, wenn ihr mehr zu Hause braucht. Auch wegen Fritz ... So ein junger Leutnant gibt mal was aus.“

Altmann brachte kaum einen Bissen herunter. Er fragte sich, warum er denn nur hergekommen, warum er sich dieser Qual ausgesetzt hatte. Warum er nicht abgeschlossen hatte mit ihr — schon damals, als sie ihm die Depesche schickte: „Vertrag mit Berlin gütlich gelöst, bleibe Wien.“

Wie ein dumpfer Schlag vor die Stirn war ihm die Depesche gewesen, und er hatte nicht gewußt, was er tun sollte. Dann hat er sich entschlossen, abzuwarten, was weiter noch von ihr kam. Aber es kam nichts. Nur alle paar Wochen die Bitte: „Gib mir Schmerzchen!“ Und von Zeit zu Zeit Karten an Luise, an Alwin — an ihn selbst. Zeitungsausschnitte — Geld, Geschenke ... und so selten ein Brief. Ein Brief, der nichts erklärte, nur nackte Tatsachen brachte oder einen leidenschaftlichen Ruf nach dem Kind.

Und jetzt wieder nur die Frage: Was braucht ihr? Habt ihr genug? ... Als wollte sie sich loskaufen von ihm mit all dem.

Er strich mit der flachen Hand heftig über das Tischtuch.

„So ein junger Leutnant hat sich zu bescheiden. Das habe ich ihm geschrieben. Ein für alle Mal. Wir leben einfach. Ich könnte es aus eigenem bestreiten, wenn nicht Fritz ... und die Wohnung ...“