„Gezahlt natürlich. Erst hat Alwin gelacht. Ich sollte dem Jungen sein bißchen Leben nicht vergällen mit meinen Predigten! Dann ging er wieder mal ein Glas Wein trinken mit ihm, um ihm den Kopf zurechtzusetzen — aber zum Schluß war er nur wieder einen Hunderter los oder sechzig, siebzig Mark ... Und das reißt nicht ab ... Wenn er sich anmeldet, dann schlägt mir immer das Herz bis hier oben herauf ...“
Adele schluchzte auf, empfand plötzlich die Tragik ihres Lebens. Alles war falsch gewesen. Alles, was sie je getan, geraten, gefordert, erbettelt! Nun stand sie da, verängstigt von der Erfolglosigkeit ihres Tuns, verprügelt vom Leben, wollte schützen, wollte retten. Konnte nicht das eine — nicht das andere.
Blieb wieder nur der Bruder.
Doch er war härter geworden in diesen letzten Jahren, verschlossener als früher.
Luise hatte einmal gesagt:
„Weißt du, Adele, manchmal kommt es mir vor, als gäbe er uns schuld an Karlas unverantwortlichem Benehmen!“
Und Adele hatte verständnislos ihre Augen aufgerissen:
„Uns?! Ja ... was können denn wir dafür? Wir, die wir uns immer nur für sie aufgeopfert haben?“
Mit Mühe hatte Luise sie davon abgehalten, eine Auseinandersetzung zwischen dem Bruder und ihnen beiden herbeizuführen.
„Tu das nicht ... glaube mir ... Er ist wie eine allzu straff gespannte Saite. Empfindlich war er immer — jetzt aber verträgt er kaum eine leise Berührung! Man muß ihn schonen.“