Das Mädchen kam herein und fragte, ob sie ein zweites Gedeck auflegen sollte.

Alwin Maurer erhob sich. Er wollte nicht stören: „Nein. Keinesfalls.“

Sie mußte Gewalt anwenden. Sie hielt seinen Hut hinter ihrem Rücken versteckt. „Ich bin böse, wenn du gehst ....“ Und sie sah ihm an, daß es ihm eine Erleichterung war, bleiben zu dürfen. Er nahm ihre Hand.

„Du darfst nicht böse sein ... mußt immer daran denken, daß unsereins dich anders sieht. Was kennt meine Philisterweisheit vom Leben einer Künstlerin? Es mag gewiß anders in Wirklichkeit aussehen, als die Phantasie es uns vorspiegelt.“

Und Karla dachte mit Wehmut daran, wie fremd sie ihm wohl geworden war, daß er sich so gar keinen Begriff mehr von der Wirklichkeit machte.

Sie nahm seinen Arm, ging mit ihm in ihr kleines Speisezimmer und sagte:

„Die Abende, an denen ich hier ganz allein vor meinen Tellern sitze, sind häufiger als die anderen. Viel häufiger! Und wenn mir’s dann zu einsam wird, stelle ich oft Schmerzchens Bild vor mir auf oder ...“

Sie brach ab.

„Hier, Alwin ... mir gegenüber. Es tut wohl, ein lebendiges, liebes Gesicht an seinem Tisch zu sehen ...“

Karla ließ Wein aufstellen. Nach dem zweiten Glase fragte sie: „Und wie geht es deinen ... wie geht es in Berlin?“