„Ein gutes Kind, gewiß — ein Juwel für ihren Mann. Aber ihr Leben führt andere Wege.“ Da gab’s nur selten ein Treffen. Wenn auch der Wille nicht fehlte, so doch die Möglichkeit ... Der Mann vor allen — das mußte ja auch so sein! Nun, er durfte sich nicht beklagen — da war ja noch Fritz, der Stolz seines Alters, ein Prachtjunge! Seine ganze Freude war der Bengel!
„Da sitzen wir so in irgendeinem verräucherten Winkel, eine Flasche Mosel zwischen uns oder zwei — und dann geht’s ans Erzählen. Was ich hatte werden wollen und was ich wurde, sage ich dann ... und von der Zeit, da Du zuerst ins Haus kamst, erzähle ich ... dann vertraut er mir an, daß er in dich verschossen war — und wir sprechen von deiner Stimme, von deinen Erfolgen. Über diese Stunden mit dem Jungen geht mir eben nichts. Auf die freue ich mich lange Wochen vorher, die entschädigen mich für so manches ... so manches recht schwer entbehrte ...“
Karla beugte den Kopf tiefer auf das Tischtuch herab. „Sage mal, Alwin ... kommt er denn auch aus mit dem, was ihm Ernst gibt? ... Ernst ist so starr in seinen Ansichten, er versteht vielleicht nicht ...“
Ein fahles Rot huschte über Alwin Maurers Wangen, und er machte eine heftig abwehrende Bewegung.
„Er hat genug ... mehr als genug ... überreichlich.“
Das fehlte gerade noch, daß sie ihm Geld anbot für Fritz ... das wäre was!
„Bitte ... laß das ... ein für allemal ... laß das ... Ich wollte dich sogar bitten ... Ernst kein Geld mehr für Fritz zu schicken ... ja! Ich verdiene genügend — mehr, viel mehr, als wir verbrauchen können. Die Zulage wird er fortab von mir bekommen. Ich bitte dich, Karla, ... nicht mehr darauf zurückkommen ... keinesfalls. Du hast so viel getan ... immerfort getan ... für alle gesorgt ... für alle anderen zuerst ... jetzt laß es genug sein! Jetzt denk’ an dich ... nur an dich! ...“
Er stand auf, ergriff ihre beiden Hände.
„Denk’ an dich, Karla ...“
Ein kurzer, schriller Klingelzug — gleich darauf trat das Mädchen ein.