„Damals war es wohl auch schon zu spät“, sagte sie, und ihre Mundwinkel zogen sich tief herab.
Sie saßen nebeneinander auf dem großen Umbausofa, und die Falten ihrer schwarzen Kleider lagen übereinander, daß es aussah, als wüchsen zwei Oberkörper hervor aus einem dunklen, breiten Stamm.
„Und jetzt ist Fritz bei ihr ...“, sagte Luise.
Adele senkte den Kopf tief auf die Brust herab.
„So schlecht kann sie doch nicht sein“, murmelte sie.
Luise streifte die Schwester mit einem Blick, aus dem zum erstenmal in ihrem Leben Härte sprach. Als wäre ihr zum erstenmal die Binde vor den Augen gefallen, als hätte sie zum erstenmal die grenzenlose Selbstsucht dieser Frau erkannt.
Noch enger zog Adele den Kreis ihrer Sorge, als sie oder der Bruder es je getan. Für sie gab es nur noch Mann und Kinder; sogar die Geschwister nur soweit, wie sie sich ausnützen ließen.
Luise stand auf und legte die Hand an ihren weißgesäumten Kragen, als fehlte ihr die Luft.
„Laß es nur Alwin und Ernst nicht wissen, das rate ich dir“, sagte sie und wendete sich ab.
Adele blieb auf dem Sofa sitzen. Was war denn das mit Luise? Waren sie denn nicht immer eines Sinnes gewesen? „Wir sollten doch wenigstens einig bleiben, Luise ....“