„Sehr freundlich. Aber wenn du ihn verkaufen kannst —“

Reichenberg machte eine Grimasse.

„Bin ich ein Pferdehändler?“

Es gehörte zu den Familientraditionen der Reichenbergs, nichts zu verkaufen, was ihnen einmal gehörte — weder ein Haus, noch ein Pferd, noch ein Grundstück.

„Na .... schön — des Menschen Wille .... Angenommen. Danke. Paß auf, Karla ... wie ich dir den ... Bleß zureite ... lammfromm wird er ....“

Sie lächelte ihn an, mit ihren strahlenden Augen, ihren blitzenden Zähnen.

Und als Gaudlitz abgereist war, zur letzten Trennung vor dem ewigen Bund, da sah sie ihn immer vor sich, wie er auf dem wilden Hengst einhersprengte, ihm seinen Willen aufzwang mit ruhiger Kraft und lachendem Blick. —

— — — — Der Mai neigte sich dem Ende zu.

Die Wände in Karlas Wohnung waren kahl — alle Bilder und Kunstgegenstände in Kisten gepackt, ebenso die Bücher und Noten. Die Möbel waren bereits an einen Händler aus der Vorstadt verkauft worden, standen nur noch bis zu Karlas Abreise an ihren alten Plätzen. Nur der Bösendorfer Flügel sollte mit den Kisten zugleich nach Pinnow geschickt werden. So nahm Karla nichts mit hinüber in ihr neues Leben als ihre allerpersönlichsten Erinnerungen.

Karla zerriß summend ein paar Visitenkarten, die sich noch auf einer Schale vorgefunden hatten. Da klingelte es. Heftig. Zweimal, dann zum dritten und vierten Male.