In Karla aber hatten diese Tage ein neues, starkes Zusammengehörigkeitsgefühl geweckt, ihrem Glücksempfinden ein tiefes, bewußtes Rechtsgefühl gegeben.

War es noch vorgekommen, daß sie manchmal mit leisem, uneingestandenem Schreck daran dachte, ihrer Kunst für immer zu entsagen, so hatten diese Tage alles gleichsam gelöscht, was sich nicht auf Gaudlitz beziehen konnte, und mit jedem Tage wuchs in ihr das Bedürfnis, auch äußerlich, und zwar so rasch wie möglich alles zu beseitigen, was trennend zwischen ihr und ihm lag — wäre es auch nur die Trennung eines Gedankens.

— — Karlas erster Weg, als sie nach Wien zurückkehrte, war der zum Intendanten der Oper. Sie bat ihn, auf ihre letzten Auftrittsabende zu verzichten. So gewogen er ihr war — davon wollte er nichts wissen. Am selben Tage noch fuhr Karla nach Baden. Und — was ihr auf dem geraden Wege nicht gelungen war, erreichte sie durch Fürsprache der hohen Frau, die ihre Gründe würdigte und verstand.

An diesem Nachmittag kutschierte Fürst Reichenberg seinen berühmten Viererzug nach der Kreau hinaus. Im Wagen saßen Karla und seine Frau. Neben dem Wagen, auf einem feurigen Hengst, den Reichenberg wohl in seinem Stall hielt, aber nie bestiegen hatte, ritt Gaudlitz.

„Donnerwetter ... der Gaul macht einem was zu schaffen ... der muß mal tüchtig in Arbeit genommen werden!“

Die Frauen sahen ihm die Freude an, an dem Kampf mit dem edlen Tier.

„Ist er nicht doch zu wild?“ fragte Alice Reichenberg.

„Der? Den reite ich noch für Karla zu, wenn’s drauf ankommt!“

Er sprengte lachend davon, ein Bild der Gesundheit, Kraft und Kühnheit. Karlas Blicke folgten ihm in strahlender Bewunderung.

„Wann dir der Bleß so g’fallt — wegen mir kannst ihn mitnehmen. G’schenkt“, sagte Reichenberg, als sie in der Glasveranda bei der „Jause“ saßen.