„Das sind eben Schicksale, mein gutes Kind ... Ein jeder trägt das Seine mit sich herum — und wenn zweie aneinandergeraten — dann gibt’s einen guten oder bösen Klang — Glück oder Unglück.“

So war denn das Schicksal wie eine große Wunderglocke für Schmerzchen, und wenn sie einherschritt, mit ihrem zarten Gesicht, den Kopf leicht zur Seite geneigt — so war es, als lausche sie einem fernen Klang .....

Vielleicht war es dieser selbe, über Wasser und Erde weithinschwebende Klang, der Karla so oft mitten in ihrem rastlosen Wandern, in schmerzhaftem Sehnen ans Herz griff. Wer von den Tausenden, die ihr zujubelten, hatte wohl ein Ahnen von dem Leid und Jammer, die ihrer herrlichen Stimme den süßen wehen Schmelz gegeben, der alle Herzen rührte, — ihren schönen dunklen Augen den berauschenden feuchten Glanz?

Wie ein flirrender Stern leuchtete ihr Name in den Weltstädten zweier Weltteile auf. Wie eine Herrscherin zog sie die breite Straße ihres Ruhmes entlang — umworben, umschwärmt, umringt und bejubelt — nie allein, immer einsam.

So kam es vor, daß im größten Taumel der Begeisterung, die sie umbrandete, an fröhlicher Tafelrunde, auf lärmendem Feste, die Einsamkeit mit ihren großen, lustlosen Augen sie anstarrte. Dann durchbebte es sie mit einem kalten Schauer, wie die Nordeni ihn einst gekannt haben mochte, in der Stille der unablässig wechselnden fremden Zimmer, unter Negern und Abenteurern, die vom Menschen nur das äußere Gebilde zeigten.

Wenn aber Karla die Schätze überzählte, die sie sammelte — nur um eines Kindes Willen, das weit drüben, unter blaßdeutschem Himmel aufwuchs, wenn sie das fremde, schwere Gold sich häufen sah, dann dachte sie an ein Haus mit großem, rundem Musiksaal, an einen See in märkischer Erde ... an einen wunderschönen Garten und einen langen, langen Tisch in einer großen Halle. An das Haus am Wannsee dachte sie, wo an den zwei Tagen, da sie es betreten — ihr heißes Glück geboren und eingesargt worden.

Seit Jahren gehörte es ihr — ein letztes Geschenk der Fürstin Alice Reichenberg, die mit ihrem Sohn von Bad zu Bad reiste, ihren Mann nur noch in Heilstätten besuchen durfte und die Trauer nicht ablegte um den einen, den blinder Zufall oder ein tückisches Geschick wie zum Hohn in strotzender Lebensfülle dahingerafft.

Immer dachte Karla an das Haus — wie an eine warme, schmerzlich beglückende Zuflucht.

Jetzt wohnte der Papa in den weiten Räumen, und Pauline rasselte mit den Schlüsseln, die ihr Macht gaben über Gesinde, Küche und Keller.

Bald ... in drei ... in fünf Jahren ..! Durfte Karla die Jahre zählen — sie, die Ewigkeiten verschwendet hatte? ... Aber eines Tages würde auch sie dort einziehen — Heimat und Ruhe finden.