Karla war losgelassen.

Die Schwestern wechselten einen Blick.

‚Unmöglich‘, sagte der. Karla war unmöglich. Jedenfalls in ihren bürgerlichen Kreisen. Adele dachte an ihre Bekannten: die Frau Lehrer Wagner, die Frau Oberlehrer Lange, die Frau Rechnungsrat Florian ... Nein, mit dem besten Willen konnte sie Karla nicht bei den Damen einführen.

„Machst du Handarbeiten?“ fragte sie, mit einem letzten Versuch, irgend eine ernste Eigenschaft an der Schwägerin zu entdecken.

„Karla hat wenig Zeit gehabt bisher“, meinte Altmann und dann mit einer jäh erwachten Hoffnung zu seiner Frau gewendet:

„Oder solltest du doch vielleicht ...?“

Es war verzeihlich. Er war ja erst einige Monate verheiratet.

Aber nein. Karla gestand schamlos, daß sie gar keine Handarbeiten machen könne; auch mit dem Nähen hapere es.

„Wenn ich erst Geld verdiene, dann halte ich mir eine Flickschneiderin.“

Adele zog die Mundwinkel ein. Eine verheiratete Frau, die von „Verdienen“ sprach, verletzte alle ihre Begriffe. Wenn nur um Gottes willen der arme Ernst in dieser unseligen Ehe nicht jedes „Gefühl für Anstand und Schicklichkeit verlor!“