„Da fragst du viel ...“, sagte er gähnend.
Aber die Frage ließ ihn doch nicht gleich einschlafen. Sie erweckte ein wunderschönes, junges Lachen in seinem Ohr und zauberte ihm das Blitzen prachtvoller Zähne zwischen frischen, roten Lippen vor die Augen.
Papa hatte einen allerliebsten Teetisch vorbereitet. Über dem weißen Tischtuch lag dämpfend ein bläulicher, silbergestickter Gazeschal. Die ganz feinen Meißener Tassen hatte er aus dem Glasschrank geholt und das schwere Silberkörbchen für das Gebäck von Kranzler: kleine, zuckerbestreute Küchelchen, die auf der Zunge schmolzen.
In einer Kristallflasche schillerte topasfarbiger Wein, der in den Fassetten der geschliffenen Gläser auffunkelte. Die Nachmittagssonne spielte auf den Goldfransen der buntseidenen Kranzschleifen, die zwischen goldgerahmten Photographien hingen. Es waren viele Berühmtheiten darunter: große Sänger, Sängerinnen, Schauspieler, Tänzer und Tänzerinnen. Den Ehrenplatz nahm das Bild des berühmten Schachspielers Anderssen ein, mit einer Widmung in verblaßter Tinte aus dem Jahre 1860.
Vor dem breiten Fenster, umflossen von Sonne, erhoben sich zierlich geschnitzte Figuren auf einem Schachtisch, und auf einem Stehbücherbrett häuften sich gebundene und ungebundene Jahrgänge der Deutschen Schachzeitung sowie einschlägige Werke, wie „Theorie und Praxis der Endspiele“ von J. Berger, Cordels „Führer durch die Schachtheorie“, das „Lehrbuch“ von Lange und andere.
Es roch gut bei Papa — nach sehr feinen Zigaretten und irgendeiner Essenz, die Karla noch nicht kannte.
Papa kam ihnen entgegen in einem knappen, grauen Gehrock, zu dem er eine weißseidene Lavallièrekrawatte trug. Er hatte eine gepflegte kleine Hand, deren linken Zeigefinger ein länglicher, von Rauten umgebener Emaillering zierte. Seine Füße staken in tiefausgeschnittenen Lackschuhen, die den hechtgrauen Florstrumpf sehen ließen.
Unter silberweißem gelockten Haar sprühten kluge, runde, braune Augen hervor. Er war ungemein zierlich und behende, und nur ein rasch unterdrücktes Verziehen der Lippen deutete auf zeitweilige Schmerzempfindung.