„Hast du geübt, Karla?“
Denn Adele hatte in der großmütigsten Weise erklärt, das Klavier stünde Karla jederzeit zum Üben zur Verfügung.
Aber Karla hatte von dem Anerbieten bisher noch keinen Gebrauch gemacht: das Lärmen der Kinder, das Rasseln der Nähmaschine übertönten die Skalen. Und hatte sie zehn Minuten Übungen gesungen, so kam gewiß Adele herein:
„Ach, sing’ doch was Nettes, Karla.“
Oder sie brachte ein Lätzchen, das sie eben fertiggenäht hatte, oder ein Nachtröckchen, das Karla bewundern sollte. Dann hieß es wohl auch:
„Bist du bald fertig, Karla, die Kinder müssen auch üben.“
Oder: „Alwin ist eben gekommen!“, was soviel sagen wollte wie: Alwin will Ruhe haben! Denn Dr. Maurer war immer müde, wenn er aus der Schule kam, und „vertrug keinen Lärm“!
Wenn er auch hereinguckte und murmelte: „Laß dich nicht stören, Karla ...“, so sah sie doch den Stoß Hefte unter seinem Arm und klappte hastig den Klavierdeckel zu.
Nein — zum Üben kam sie wirklich nicht. Aber da sie wußte, daß ihr Mann keine Entschuldigungen gelten ließ, die seine Leute belasteten, so schob sie es auf ihren Zustand. Sie war so matt, fühlte sich so elend.
„Na ja ... mein liebes Kind, du hast einfach keine Energie. Auf die Art wirst du nie etwas erreichen. Auf die Art gewiß nicht! ...“