Ja ... das Kind! Das schreckliche Kind!
Sie aßen in einem kleinen Gasthaus Mittag, für fünfundsiebzig Pfennige, mit Kaffee oder Käse als Nachtisch. Karla wählte den Käse und leerte den halben Brotkorb, Altmann nahm Kaffee, um den Nachgeschmack der sehr mäßigen Gerichte herunterzuspülen.
Nur Sonntags speisten sie in der Culmstraße gegen einen Beitrag von zwei Mark. Altmann rechnete es trotzdem Adele hoch an, daß sie die vermehrte Arbeit so willig auf sich nahm. Und er war ihr unendlich dankbar, daß sie Karla jeden Nachmittag bei sich behielt, wobei doch wieder eine Tasse Kaffee und ein gestrichenes Brötchen für sie abfiel.
Altmann mußte alles mitberechnen, um über die bösen Tage hinwegzukommen. Luise Altmann, die durch den langjährigen Aufenthalt bei der englischen Familie ein leidliches Englisch sprach, erbot sich, Karla englischen Unterricht zu geben. Zweimal wöchentlich betrat sie auf eine Stunde das Berliner Zimmer der Culmstraße.
Vicki und Fritz Maurer brachten ihre englischen Hefte zur Durchsicht. Dann kam Karla dran. Sie war, wie es sich herausstellte, nicht unbegabt für Sprachen, aber wenn sie Fehler machte, lachte Vicki sie aus. Vicki lachte überhaupt sehr viel, putzte sich gern und hatte Freundinnen, bei denen sie, wie sie sagte, halbe Tage zubrachte. Zu Hause gab es immer Streit zwischen ihr und Fritz. Er beschwerte sich, daß sie ihm seine Bleistifte und Federn nähme, Seiten aus seinen Heften herausrisse. Manchmal kriegten sie einander bei den Haaren. Fritz bearbeitete dann ihren Rücken, sie zerkratzte ihm das Gesicht. Dann griff Adele zum Rohrstock und haute links und rechts um sich, wohin es gerade traf.
Es war nicht erzieherisch, aber wirksam.
„Ekelhaftes Frauenzimmer“, murrte Fritz und zeigte Vicki noch einmal, aber diesmal aus der Entfernung, die Faust.
„Widerlicher Bengel“, schimpfte Vicki und heulte los.
Es war oft sehr lärmend in der Wohnung, und Karla dröhnte der Kopf.
Auf dem Heimwege, während Altmann mit ihr einiges zum Abendessen einkaufte, fragte er: