Sie murmelte mit zitternden Lippen:

„Wenn doch das Kind nicht wäre ... das schreckliche Kind!“

Aber Adele, die es mit ihren scharfen Ohren aufgefangen, schrie sie an:

„Versündige dich nicht! Schäm’ dich, so zu sprechen! Pfui! ... Das arme Kind kann einem ja leid tun, daß es eine solche Mutter bekommt!“

„Sie meint es ja gar nicht so schlimm“, verteidigte Altmann lau. „Na, mach’ dich fertig, Karla ... wir gehen jetzt nach Hause.“

Altmann war hin- und hergezerrt von widerstreitenden Gefühlen. Die Schwestern hatten recht, aber Karla hatte auch recht. Das Kind war unter diesen Umständen wirklich eine „Katastrophe“.

Er wohnte jetzt mit Karla in einem möblierten Zimmer in der Goebenstraße. Sie lebten aus den Körben und Koffern, die in der leerstehenden Mädchenkammer ihrer Wirtin standen. Den Frühstückskaffee brachte sie ihnen gleich in Tassen, aus denen er überschwappte bei ihrem watschelnden Gang. Dazu je eine dünnbestrichene Schrippe. Sie reichte das Tablett zur halboffenen Tür herein, durch die Karla ihren noch bloßen Arm hindurchstreckte.

Karla setzte sich an eine Tischecke und verzehrte ihr Frühstück mit gesunder Lust. Denn viel anders hatte sie all die fünf Jahre am Theater vor ihrer Heirat nicht gefrühstückt. Aber Altmann litt. Ihn ekelte vor dem Essen im unaufgeräumten Zimmer, zwischen herumliegenden Kleidungsstücken, vor dem übervollen Waschtischeimer.

Aber auch da bezwang er sich. Karla konnte schließlich nichts dafür. Das Schicksal hatte es so entschieden, und er selbst war nicht leichtsinnig genug, um augenblicklichem Behagen die letzten Spargroschen zu opfern.

Während sich Karla heißes Wasser aus der Küche holte, um Taschentücher und Strümpfe in der Waschschüssel zu waschen, schrieb er seine Briefe. Er griff nach wie vor seine Lieblingsidee auf, Karla in Amerika anfangen zu lassen, um dann mit dem erworbenen Gelde die Karriere in Deutschland zu beginnen. Verschiedene Operngesellschaften rüsteten sich zu einer großen Gastspielrundreise über das Wasser. Wenn Karla jetzt hätte auftreten können — sie wären aus allen Sorgen heraus! Aber vor Mitte September war selbst im besten Falle nicht darauf zu rechnen ....