Und hochrot im Gesicht, mit funkelnden Augen und bebendem Unterkiefer schrie sie:

„Bin ich die Tante oder nicht? Hat sie Respekt zu haben vor mir oder nicht? Den Popo hat man ihr versohlt, als ich schon Tausende begeisterte! Schmutzig hat sie sich noch gemacht, als ich mir schon mein Geld verdiente! Und das erlaubt sich ...“

„Oh, Gott nein, wie ordinär ... so ordinär ...“

Vicki schlug die Hände über dem Kopf zusammen und lief aus dem Zimmer.

„Nun ist’s aber genug“, donnerte Altmann und riß Karla an der Hand.

Aber sie war wie aus den Fugen.

„Ihr macht mich ja verrückt, alle ... Verrückt macht ihr mich!!. Ich bin doch kein kleines Kind ... Aber so behandelt ihr mich ja vor den Bälgern hier! Es fehlt nur noch, daß ihr mir Vicki als Vorbild hinstellt! ... Ja, ja ... ich weiß, was ich rede. Gestern sagte Luise: Vickis englisches Heft ist viel sauberer als deines! Bin ich ein Schulmädel? Ich habe den Kopf voll. Meine Stimme ist viel wichtiger als all die dummen Jäckchen und Lätzchen und englischen Vokabeln. Und wenn ich sie verliere, dann seid nur ihr schuld ... jawohl, nur ihr! ...“

Ihre letzten Worte waren kaum noch zu verstehen. Ein krampfhaftes Schluchzen erschütterte ihren Körper. Irgend jemand drückte sie in einen Sessel. Luise Altmann stand vor ihr, mit einer Wasserschüssel, in der Eisstücke schwammen. Adele mühte sich, ihr die Taille aufzuhaken.

„Ernst,“ schluchzte Karla, ... „Ernst ...“, und streckte den Arm aus.

Aber Dr. Maurer hatte den Schwager in sein Arbeitszimmer gezogen, auf dessen Ledersofa Fritz nachts schlief.