„Ich sehne mich nach meiner lieben, tapferen kleinen Frau und freue mich, unser Kind zu sehen. Schone und pflege Dich. Werde gesund und kräftig. In acht Tagen bin ich wieder bei Dir. Ich zähle die Stunden. Dein Ernst.“

Diese wenigen Zeilen waren ihm unendlich schwer geworden, denn er fühlte, daß sie Karla alles schuldig blieben ...

Er sah sie im Hause seiner Schwester wieder.

Sie kam ihm entgegen in einem hellblauen Schlafrock, den er noch nicht an ihr kannte. Sie hatte ihr reiches dunkles Haar in zwei Zöpfe geflochten, die flach um ihren runden, hübschen Kopf lagen. Sie war noch ein wenig blaß und spitz und hatte ein ihm fremdes, wehes Lächeln um den Mund.

Schluchzend warf sie sich ihm an die Brust.

„Ernst! Lieber guter Ernst!! ...“

Sie küßte ihn, drückte seine Hände, sah ihm immer wieder in das ebenfalls abgemagerte Gesicht.

„Nun bist du da. Nun ist alles gut ... nun bleiben wir zusammen!“

Er war so bewegt, daß er ihr kaum antworten konnte, daß er kaum nach dem Kinde zu fragen wagte. Aber da kam auch schon Adele und brachte es an — in einem Steckkissen mit rosa Schleifen. Das Spitzenhäubchen, zu groß für den kahlen kleinen Kopf, war bis über die winzige Nase gerutscht.

Karla drehte sich um.