„Vermutlich aus Neugier?“
„Vermutlich? Halten Sie mich denn für ganz temperamentlos?“
Statt einer Antwort schlang ich heftig die Arme um sie; während sie sich wehrte, bahnte ich mir den Weg zu ihrem verschleierten Antlitz und drückte meine Lippen auf die ihren. Der Widerstand wurde immer schwächer unter einem Kuss, währenddessen ich den Pudergeruch von nicht mehr in allererster Jugend blühenden Wangen einsog. Ihr dünner feiner Mund jedoch hatte etwas so naiv Anschmiegendes, dass ich den — vielleicht irrigen — Eindruck empfing, als entdeckte sie zum erstenmal die Wonnen eines Kusses. Plötzlich stiess sie mich von sich, als hätte ich sie durch irgend etwas verletzt.
„Sie gefallen mir nicht mehr,“ sagte sie kurz.
„Weil Ihre Neugier sich nicht so schnell befriedigen lässt, als Sie glaubten?“
„Und Sie? Sind Sie denn zufrieden?“
„Noch lange nicht!“ erwiderte ich kühl.
„Und das sagen Sie so ruhig?“
„Durchaus, weil ich der Befriedigung gewiss bin.“
„Das ist stark.“