„Zu Ihrer Erheiterung will ich Ihnen verraten, dass Sie in diesem Augenblick genau dasselbe erleben, was der Mann so oft vor Frauen empfindet. Aus Scheu vor der Banalität fürchten Sie, die notwendigen ersten Worte auszusprechen. Ich weiss, Frauen amüsiert diese Angst der Männer sehr, denn sie merken, dass man sie zu ernst nimmt. Sie würden ja gar nicht nachdenken, ob es banal ist, wenn man über das Wetter spräche. Ich will nun auch einmal kritiklos sein, wie eine Frau. Fragen Sie mich doch einfach, wie es mir in H. gefällt, ob es in Deutschland ebenso schön ist . . .?“
„Aber Sie können das alles doch auch ungefragt sagen,“ erwiderte sie verblüfft, fast gekränkt.
„Mir kommt es ja gar nicht darauf an, zu reden,“ sagte ich lachend. „Es langweilt mich nicht im geringsten mit einer Unbekannten, unter der ich mir nach Belieben eine Semiramis oder die Otéro vorstellen kann, schweigend durch unbekannte Gegenden zu rollen und ihr zu überlassen, mir die ausserordentlichsten Überraschungen zu verschaffen. Aber wenn Sie sprechen wollen, stehe ich gerne zur Verfügung.“
„Ist das eigentlich eine Unhöflichkeit?“ fragte sie naiv. „Da ich Sie selbst noch nicht kenne, finde ich es interessanter, an Cleopatra zu denken, als an eine Gouvernante aus den Romanen von Mrs. Bradford.“
„Nun will ich Ihnen freiwillig die Hand geben,“ sagte sie plötzlich, „ich glaube, mir von dem Abenteuer etwas versprechen zu dürfen.“
Langsam schoben sich kühle, trockene Finger auf die meinen. Ich, fühlte eine jener schlanken, fast etwas zu knochigen Hände mit langen, an den Gelenken etwas ausbuchtenden Fingern, deren zitternde Beweglichkeit stets andere Formen hervorzubringen scheint.
„Glauben Sie, dass ich schön bin?“ fragte sie, während ich im Dunkeln mit ihrer Hand spielte, die sich langsam in der meinen erwärmte.
„Nein,“ erwiderte ich, „aber Ihre Hand verrät eine Seele, die das Schönsein überflüssig macht.“
„Ah,“ rief sie, wie es schien, entrüstet, überrascht und verlegen zugleich. Sie rückte weg. Da ich mich gleich ihr schweigend in die Ecke lehnte, begann sie wieder nervös:
„Warum, glauben Sie, habe ich diese ganze Geschichte eingeleitet?“