In fesselloser Verschwendungsgier umschloss er sie mit Spangen von glühendem Rubin und weichrotem Karneol; Granaten, Almandinen und Korallen sanken wie Blutstropfen auf den Schoss der Jungfrau.
„Wühle auf deine Locken, den Ozean, den Duftausbruch des verworrenen Verlangens, trage darin das Irrlicht der Erkenntnis, das schaukelt über den Sümpfen der Sinne, die ewige Lampe des Hochmuts der Wissenden!“
Fray Tomàs löste mit wildem Griff das wogende Haar und drückte eine Diamantenkrone hinein. Trunken vor seinem funkelnden Werke sagte er:
„Nackt prunke, leuchte, singe dein Leib unter der Pracht und den Sünden hervor, auf dass dich Satan zeichnen möge!“ Doch, wie in plötzlicher, verzweifelnder Entsagung fuhr er fort: „Deine Schritte beschwere der finstere Fluch unserer purpurnen wühlenden Nächte, da uns die Atemzüge der Hölle glühend ins Antlitz fauchen, das da funkelt in steter Empörung und Wollust, im Schrei nach endlichem Licht!“
Und Fray Tomàs de Leon legte ihr trüben Amethyst, nächtigen Saphir und Aquamarin in finster-bläulichen Schnüren von dem Lendengurt bis zu den Knöcheln wie durchsichtige orientalische Beinhüllen.
Beladen mit aller Herrlichkeit, mit allen Freveln der Erde starrte die Vierzehnjährige auf den Christ über dem Altar und wusste nicht, wie ihr geschah. Auf einer goldenen Schale reichte ihr Fray Tomàs das grünlich schimmernde Wachshaupt Jesu. Dann ergriff er sie an der Hand und wandte sie gegen die Kirche, die indessen in überhellem Kerzenschein erstrahlt war. Auf den Fliesen lag ein weisser Teppich ausgestreckt, an dessen Ecken Fackeln brannten und Myrrhenbecken dampften. Fray Tomàs führte die Zagende mitten auf den Teppich.
„Tanze, Tochter des Himmels, tanze den Tanz der Erlösung und erfülle in prahlender Unzucht in dieser einen Stunde alle die Frevel, die der Satan noch von der Menschheit zu fordern hat!“
Plötzlich fiel die Orgel in wilden Rhythmen ein. In den halbdunklen Ecken der Kirche schlugen vermummte Männer heilige Gefässe wie Becken und Zimbeln aneinander. In entsetzlichem Gemisch mit der Feierlichkeit ertönte das barbarische Geräusch von Tamburinen; trunkene Weiberschreie drangen hinter den geblähten Vorhängen der Beichtstühle hervor.
„Tanze, tanze!“ schrie der Priester voll Ungeduld und schien die Zögernde, die sich unter der Last der Geschmeide kaum zu bewegen wagte, durch springende Schritte ermutigen zu wollen. Und langsamen, schüchternen Ganges, beladen mit den Freveln der Welt, bewegte sich Teresa Alicocca über den Teppich, den Kopf des Heilands auf einer Schale tragend. Aus den Ecken, wo sich Männer und Frauen schaugierig drängten, sprangen nun plötzlich die jungen Leute, des Priesters Freunde, hervor; mit Fackeln und blossen Schwertern im Arm tanzten sie jauchzend um den Teppich.
„Wilder, toller!“ riefen sie der Ängstlichen zu. „Du musst uns alle erlösen; aber unsere Sünden sind noch brennender, empörender, räuberischer, als dein Tanz. Du musst verruchter tanzen, als unsere Missetaten sind, die gen Himmel schreien. Nur so kannst du uns zum Heile sein!“