Man kann sich denken, mit welchem Staunen ich zwischen all’ diesen Kuriositäten umherging, aber meine Verwunderung wuchs, als mich einer meiner Begleiter, geschmeichelt durch das Gefallen, das ich an den Sammlungen fand, höflich aufforderte, ich solle mir von dem Gesehenen einiges aussuchen, was mir besonders gefiele. Da liess ich denn die Blicke unentschlossen umherschweifen. Wieder drängten sich die fixen Ideen ungezogen heran. Aber ich brach mir Bahn nach einem halb offenstehenden rotschimmernden Gemach, in dem — obwohl es gar nicht gross war — fünfhundert (so sagte man mir) wundervolle, nackte Frauen lagerten, die still vor sich hin lächelten, als wollten sie sagen: wir brauchen uns nicht vorzudrängen, man kommt zu uns. Ich war von dem weissen Schimmer der Leiber geblendet; solche Formen hatte ich bisher nur in Gips gesehen, ich meinte, die wirklichen Frauen seien nun einmal immer hässlich, aber wer ein rechter Dichter sei, der setze sich darüber hinweg. Die Schmuggler freuten sich offenbar an meiner Verwirrung, in die mich besonders die zunächst liegende durch ihre brennenden Blicke versetzte.
„Die will ich haben . . . alle 500,“ rief ich gierig und wurde gleich sehr verlegen.
Nichts sei leichter als das, antwortete man mir vergnügt, ich solle noch einmal wählen. Man öffnete vor mir eine andere Tür, durch die ein heftiges gelbes Licht herausfiel, das mir in den Augen weh tat. Als ich mich daran gewöhnt hatte, sah ich, dass Wände, Boden und Decke des geöffneten Gemaches mit geprägten Goldstücken gepflastert waren. Ich wollte weiter gehen.
„Es ist rund eine Million,“ sagte man mir.
„So?“ erwiderte ich gleichgültig und blickte bald lüstern zurück in das Gemach zu den 500 Frauen, bald schweifte mein Blick suchend über den andern Kostbarkeiten umher.
„Es ist eine Million,“ wiederholte der Schmuggler erstaunt, „wollen Sie die nicht . . .?“
„Ach nein, geben Sie mir lieber die Wüste mit den Kamelen und Oasen oder sonst etwas Romantisches . . .“
„Sie sind ein Narr, mein Herr. Erst lassen Sie sich 500 Weiber schenken und nun verschmähen Sie das lumpige Milliönchen. Was wollen Sie denn ohne Geld mit Ihren Weibern anfangen? Glauben Sie, die werden Ihnen Ruhe lassen? Dieses Volk will beschenkt sein mit Schmuck und Kleidern . . .“ „Aber nackt gefallen sie mir viel besser.“
„Das ist den Weibern gleich; wenn Sie ihnen nichts geben, werden sie sich schon von andern etwas schenken lassen.“
Ich erschrak sehr bei diesen Worten und liess mir nun ruhig die Million versprechen. Die Schmuggler waren sehr zufrieden und sagten, nun dürfe ich noch ein letztes Mal wählen. Dieses Mal wolle man mich nicht beeinflussen, aber sie müssten mir doch vorher noch etwas zeigen, was mir gewiss ganz besonders gefallen würde. Sie schoben eine Tapetentür auf, die sich ohne Schlüssel öffnen liess, während alle andern Pforten von Eisen waren und schwere Schlösser hatten. Dafür war diese Tür so kunstvoll verborgen, dass sie nur ein Eingeweihter finden konnte. Wir traten in ein Zimmer, in dem offenbar niemals aufgeräumt wurde. Ein Haufe Metaphern, Anaphern, Symbole, Allegorien, geprägte Redensarten, Zitate, Sprichwörter, in Fäulnis übergegangene Witze lagen wie Kraut und Rüben durcheinander. An den Mauern hingen ohne Ordnung poetische Bilder und Vergleiche in festen Rahmen, Tropen und Metonymien blickten verwirrend dazwischen hervor. Um die vier Wände des Zimmers ging nahe der Decke ein Wandbrett, auf dem zwischen Windöfchen, Kolben, Retorten und anderen Apparaten der Schwarzkunst hohe Gläser voll Flüssigkeit standen; darin lagen, wie Tiere in Spiritus, Gedanken, ganz gute Gedanken, die sich im Zustand langsamer Auflösung befanden, manche waren noch deutlich erkennbar und hatten die umgebende Flüssigkeit nur leise gefärbt, andere waren bereits formlos, gallertartig geworden, während die Flüssigkeit immer trüber schien; in einzelnen Gläsern befand sich nichts als ein formloser, missfarbiger Brei.