Auf meine Frage, was diese Gedankenverdünnung bedeute, wollten mir die Schmuggler keine rechte Auskunft geben; ich würde das schon eines Tages begreifen; wenn nicht, so wäre mir nur um so wohler. Ich muss gestehen, dass mir das verdächtig vorkam. Ich wurde unwillkürlich an die Wirtshausküche erinnert, wo aus ein paar Pfund Fleisch soviel Brühe gewonnen werden kann, als — Wasser da ist. Es wurden hier offenbar Fälschungen vorgenommen. Und woher bezogen die Leute die zur Verdünnung benutzten Gedanken? Ich schwur mir, ihnen beileibe keine von meinen Versen vorzulegen, was mir sonst gar leicht passieren konnte. Vielleicht würden sie daraus eine Wassersuppe kochen. — Indessen schweiften meine Blicke wieder über die Merkwürdigkeiten am Boden und an den Wänden; mein Herz ging auf, als ich darunter zwischen vielem Unrat reine Dichterworte, tiefsinnige Symbole, erhabene Weisheitssprüche hervorschimmern sah.

„Wer dahinein Ordnung brächte!“ rief ich begeistert aus, „würde das Zeug zu der wundervollsten Dichtung finden, schenken Sie mir das Gerümpel, mich soll die Mühe nicht verdriessen!“

Die Schmuggler erklärten sich gerne bereit.

Indessen waren wir wieder hungrig geworden. Wir speisten zusammen in dem Felsenviereck. Bei Tisch erfuhr ich bemerkenswerte Einzelheiten über das Dasein dieser Menschen. Sie lebten vom Tauschhandel. Klein hatten sie angefangen; einige ihrer Kostbarkeiten wollten sie am Weg gefunden haben. Sie vermehrten ihren Besitz durch vorteilhafte Tauschgeschäfte. Ich gewann immer mehr den Eindruck, als ob das alles nicht immer redlich zuginge.

„Sie werden uns doch auch etwas als Entgelt für unsere Gaben zurücklassen?“ fragte man mich.

Ich erschrak, denn ich hatte nichts bei mir als eine recht miserable deutsche Dichterzigarre.

„Beunruhigen Sie sich nicht; Sie lassen uns drei Ihrer Träume ab und wir sind zufrieden.“

„Träume?“ rief ich aufatmend, „davon habe ich genug; wenn Sie ein Mittel wissen, mich schmerzlos von einigen zu befreien . . .“

Wir kamen dann auf andere Gesprächsthemen, auf Politik, auf die damals herrschende Unzufriedenheit der Völker mit ihren Herrschern. Die Schmuggler taten so, als hätten sie dabei irgendwie die Hand im Spiel.

„Nein, nein,“ rief einer aus, „die echte Revolution geben wir so bald nicht wieder her. Wir haben sie nur mühsam zurückbekommen gegen die Heuchelei, die doch sonst so hoch im Preise stand. Aus Frankreich erhalten wir fast täglich Briefe, wir möchten sie wieder hergeben, sie wollen uns dafür die Glorie Bonapartes ungeschmälert ausliefern. Aber wir tun es nicht. Sie bekommen höchstens ein paar Barrikadenkämpfe.“ (Ich bemerke, dass das Jahr 48 vor der Tür stand.)