„Ach so, die Geschenke,“ sagte einer, „Sie müssen wissen, dass Sie das nicht alles auf einmal erhalten, es wird auf Ihr ganzes Leben verteilt werden. Aber Sie werden noch heute spüren, dass wir Wort halten.“

Ich glaubte natürlich kein Wort und war überzeugt, dass man mich betrogen hatte.

Wir gingen durch einen endlos scheinenden Stollen, der uns schließlich an eine Stelle des Sees führte, wo zwischen Wasser und Felsen kein Pfad ging. Ein breites Warenboot, wie es die Schiffer benutzen, lag in einer kleinen natürlichen Bucht. Ich wurde eine halbe Stunde weit gerudert und dann an der mir bekannten Uferstrasse abgesetzt. Die Schmuggler hielten sich keine volle Minute auf, sondern fuhren mit unbegreiflicher Geschwindigkeit zurück.

Ohne im geringsten Klarheit über das Erlebnis zu finden, ging ich der Stadt zu. Von weitem sah ich Manolitha, die vom Markt kam, wo sie Fische gekauft hatte. Sie trug sie in einem Korb. Pfui! wie hässlich sie war, sie schien mir krankhaft mager, und wie mussten erst ihre Hände nach Fischen riechen! Glücklicherweise führte der Weg über eine Brücke, unter die ich leicht durch einen Graben neben der Strasse gelangen konnte. Dort verbarg ich mich, bis Manolitha vorbei war. Ich habe sie niemals wieder gesehen.

Als ich auf den Marktplatz der Stadt kam, fand ich vor dem vornehmsten Gasthaus ein grosses Gedränge, das von galonierten Bedienten zurückgehalten wurde. Ich glaubte unter denen, die aus dem Haus kamen, einen der Schmuggler zu gewahren, der sofort in der Menge verschwand. Auf meine Erkundigung erfuhr ich von meinem Nachbar, es sei eine hohe Persönlichkeit auf der Durchreise nach Italien angekommen, man wisse aber nicht wer, da die Personnage unerkannt bleiben wolle. Ich wusste sofort, dass es niemand anders als Fürst Metternich sein konnte. Mit einer mir sonst gar nicht eigenen Gewandtheit verstand ich mich durch den Garten von hinten ins Haus zu schleichen. Vor einer Tapetentür im ersten Stock blieb ich, der sonst eher schüchtern war, so ungeniert stehen, dass alle Vorübergehenden meinen mussten, ich gehörte dahin. Durch die Tür aber vernahm ich die Stimme des Fürsten im Gespräch mit dem Bürgermeister der Stadt. Ich verstand nur abgerissene Sätze. Vor allem wünschte er ganz unerkannt durchzureisen, da er leidend war, im übrigen sei er der Stadt sehr gewogen; er habe nichts einzuwenden gegen die Ernennung des beliebten X. zum Oberpostmeister, obgleich der Mann im Geruche des Liberalismus stehe; man solle überhaupt ihn (den Fürsten) doch ja nicht für einen Währwolf halten, er beabsichtige auch im Lauf der Jahre die Zensur und die Pressgesetze, selbst in den Grenzdistrikten, etwas milder zu handhaben etc. etc.

Als ich hörte, dass der Bürgermeister verabschiedet wurde, eilte ich fort, um nicht entdeckt zu werden. Mein Weg ging geradeaus auf die Redaktion der ersten Zeitung, wo ich meine ganze Wissenschaft verriet.

„Metternich hier?“ rief der Redakteur, „wenn Sie sich nur nicht täuschen . . .“

„Aber Herr Redakteur,“ erwiderte ich, „was glauben Sie von mir, ich kenne Fürst Metternichs Stimme wie die meines Vaters.“

Ich erschrak über diese mir selbst unbegreifliche Frechheit, denn ich hatte Metternich nie gesehen, noch früher je sprechen gehört.