„Nun, so schreiben Sie einmal alles auf, was Sie wissen,“ erwiderte der Redakteur, durch meine Sicherheit überzeugt. „Hier ist ein Pult, Tinte und Feder . . .“
Während ich schrieb, flossen mir — ich wusste nicht wie — Bilder und Sprachwendungen zu, die ich in dem Gemach der Schmuggler bemerkt hatte. In einer Viertelstunde waren zwei Spalten geschrieben in einem, wie ich selbst fand, äusserst brillanten Stil. Mit grossem Selbstbewusstsein überreichte ich dem Redakteur die Blätter, der sie überflog und erstaunt rief:
„Sie sind der geborene Journalist, junger Mann . . . Ihre Findigkeit ist nichts gegen Ihren Stil, und alles beides verschwindet wieder vor Ihrer Schnelligkeit. Seit wann sind Sie bei der Presse?“
„Das ist mein erster Versuch,“ erwiderte ich etwas schüchtern.
„Was waren Sie denn früher? Jeder Journalist war früher etwas anders.“
„Dichter,“ sagte ich beschämt.
„Na, das haben Sie sich glücklich abgewöhnt. Ich habe Beschäftigung für Sie. Heute abend singt die Rubini die Cenerontola. Gehen Sie in die Oper und bringen Sie mir nachts noch die Kritik.“
„Aber Herr Redakteur, ich bin ja ganz unmusikalisch.“
„Unsinn,“ antwortete er grob, „solche Bedenken gewöhnen Sie sich nur ja ab, mit Ihrem Stil ist man musikalisch, agronomisch, geographisch, theosophisch . . . was verlangt wird . . . verstehen Sie? Ich sehe übrigens, dass Sie, um in die Oper zu gehen, Ihre Toilette etwas vervollständigen müssen. Hier haben Sie hundert Gulden Vorschuss und unterschreiben Sie dieses Blatt.“
Er reichte mir einen Zettel, den ich unterschrieb, ohne zu beachten, was darauf stand. Ich empfahl mich und ging in die Modemagazine, wo ich mich völlig ausrüstete. Als Stutzer kam ich nach Hause. Vor meiner Zimmertür stand eine pompöse, übermässig elegant gekleidete Dame.