„Die Männer sehr schöner Frauen gehören zur Verbrecherklasse“, sagte Lord Henry und schlürfte seinen Wein.
Lady Narborough schlug ihn mit dem Fächer. „Lord Henry, ich bin nicht im mindesten überrascht, daß die ganze Welt über Ihre Ruchlosigkeit klagt.“
„Aber welche ganze Welt tut das?“ fragte Lord Henry, seine Brauen hochziehend. „Es kann nur die Nachwelt sein. Denn diese Welt und ich, wir stehen brillant miteinander.“
„Alle meine Bekannten sagen, daß Sie sehr ruchlos sind!“ rief die alte Dame den Kopf schüttelnd.
Lord Henry sah einige Augenblicke ernsthaft aus. „Es ist ganz abscheulich,“ sagte er schließlich, „wie die Leute heutzutage herumgehen und einem hinterm Rücken Dinge nachsagen, die ganz und gar auf Wahrheit beruhen.“
„Ist er nicht unverbesserlich?“ rief Dorian und beugte sich in seinem Stuhl vor.
„Ich hoffe“ sagte die Wirtin lachend. „Aber wenn Sie wirklich alle Madame de Ferrol in dieser lächerlichen Weise anbeten, so muß ich auch wieder heiraten, um in Mode zu kommen.“
„Sie werden nie wieder heiraten, Lady Narborough“, unterbrach Lord Henry. „Sie waren viel zu glücklich. Wenn eine Frau wieder heiratet, so tut sie es, weil sie ihren ersten Mann verabscheute. Wenn ein Mann wieder heiratet, so tut er es, weil er seine erste Frau anbetete. Frauen versuchen ihr Glück, Männer setzen das ihre aufs Spiel.“
„Narborough war nicht vollkommen!“ rief die alte Dame.