„Wenn er es gewesen wäre, hätten Sie ihn nicht geliebt, meine teure Lady“, war die Antwort. „Frauen lieben uns um unserer Fehler willen. Wenn wir ihrer genug haben, vergeben sie uns alles, selbst unseren Geist. Ich fürchte, Sie werden mich nie wieder zu einem Diner bitten, nachdem ich das gesagt habe, Lady Narborough, aber es ist völlig wahr.“
„Natürlich ist es wahr, Lord Henry. Wenn wir Frauen euch nicht eurer Fehler halber liebten, wo wäret ihr alle? Nicht ein einziger von euch würde verheiratet sein. Und ihr wäret eine Sekte unglücklicher Junggesellen. Das würde aber nicht viel an euch ändern. Heutzutage leben alle Ehemänner wie Junggesellen und alle Junggesellen wie Ehemänner.“
„Fin de siècle“, flüsterte Lord Henry.
„Fin du globe“, entgegnete die Gastgeberin.
„Ich wollte, es wäre fin du globe“, sagte Dorian mit einem Seufzer. „Das Leben ist eine große Enttäuschung.“
„Ah, mein Lieber!“ rief Lady Narborough und zog ihre Handschuhe an, „sagen Sie mir nicht, daß Sie das Leben erschöpft haben. Wenn ein Mann das sagt, weiß man, daß das Leben ihn erschöpft hat. Lord Henry ist im höchsten Grade ruchlos, und ich wünsche manchmal, ich wäre es auch gewesen; aber Sie sind geschaffen, um gut zu sein — Sie sehen so gut aus. Ich muß Ihnen eine hübsche Frau verschaffen. Lord Henry, meinen Sie nicht, daß Herr Gray heiraten sollte?“
„Ich sage ihm das immer, Lady Narborough“, erwiderte Lord Henry mit einer Verbeugung.
„Schön, so wollen wir uns nach einer guten Partie für ihn umsehen. Ich werde heute nacht den Adelskalender aufmerksam durchgehen und eine Liste aller in Frage kommenden jungen Damen aufstellen.“