„Unser Wirt ist recht greulich heute abend“, antwortete die Herzogin und errötete. „Er denkt wohl, Monmouth habe mich nur aus wissenschaftlichen Gründen geheiratet, weil ich das beste Musterbeispiel eines modernen Schmetterlings bin.“

„Ich hoffe aber, er wird Sie nicht auf Stecknadeln spießen, Frau Herzogin“, lachte Dorian.

„Oh! Das besorgt schon meine Kammerjungfer, Herr Gray, wenn sie sich über mich ärgert.“

„Und worüber ärgert sie sich, Frau Herzogin?“

„Über die geringsten Dinge, Herr Gray, glauben Sie nur! Gewöhnlich, wenn ich zehn Minuten vor neun nach Hause komme und ihr sage, daß ich bis halb neun angezogen sein muß.“

„Wie unvernünftig von ihr! Sie sollten ihr den Laufpaß geben!“

„Das wag' ich nicht, Herr Gray. Sie erfindet nämlich meine Hüte. Sie erinnern sich nicht an den Hut, den ich auf Lady Hilstones Gartenfest getragen habe? Natürlich nicht, aber es ist hübsch von Ihnen, daß Sie so tun. Also der war geradezu aus nichts gemacht. Alle guten Hüte werden aus nichts gemacht.“

„Wie jeder gute Ruf, Gladys!“ unterbrach Lord Henry. „Jede Wirkung, die man erzielt, schafft uns einen Feind. Man muß eine Mittelmäßigkeit sein, wenn man eine Beliebtheit sein will.“

„Nicht unter Frauen“, sagte die Herzogin und schüttelte den Kopf; „und Frauen regieren die Welt. Ich behaupte steif und fest, wir können Mittelmäßigkeiten nicht vertragen. Wir Frauen, hat mal jemand gesagt, lieben mit den Ohren, gerade so, wie ihr Männer mit den Augen liebt, wenn ihr überhaupt liebt.“

„Es scheint mir, daß wir überhaupt nie etwas anderes tun“, flüsterte Dorian.