„Ach! Herr Gray, dann lieben Sie nie in Wirklichkeit“, antwortete die Herzogin wie in spöttischer Trauer.
„Meine liebe Gladys.“ rief Lord Henry. „Wie kannst du das sagen? Die Romantik lebt von Wiederholung, und die Wiederholung verwandelt jeden Anreiz in Kunst. Übrigens, jedesmal, wenn man liebt, ist es das erstemal, daß man geliebt hat. Die Verschiedenheit des Objektes verändert die Einzigkeit der Leidenschaft nicht. Sie macht sie nur stärker. Wir können im Leben bestenfalls nur ein einziges großes Erlebnis haben, und das Geheimnis des Lebens besteht darin, dieses Erlebnis so oft als möglich zu wiederholen.“
„Selbst wenn es einen verwundet hat, Harry?“ fragte die Herzogin nach einer Pause.
„Besonders wenn es einen verwundet hat“, entgegnete Lord Henry.
Die Herzogin wandte sich um und sah Dorian Gray an mit einem seltsamen Ausdruck in ihren Augen. „Was sagen Sie dazu, Herr Gray?“ forschte sie.
Dorian zögerte einen Augenblick. Dann warf er den Kopf zurück und lachte. „Ich stimme mit Harry immer überein, Frau Herzogin.“
„Auch wenn er unrecht hat?“
„Harry hat nie unrecht, Frau Herzogin.“
„Und macht Sie seine Philosophie glücklich?“