Lord Henry lachte. „Ich habe gar nicht das Verlangen, in England etwas zu ändern außer dem Wetter“, entgegnete er. „Ich begnüge mich mit philosophischer Betrachtung. Da aber das neunzehnte Jahrhundert durch übermäßigen Verbrauch von Sympathie Bankrott geworden ist, möchte ich vorschlagen, daß man sich an die Wissenschaft hält, damit diese uns wieder aufrichtet. Der Vorteil der Gefühle liegt darin, daß sie uns in die Irre führen, und der Vorteil der Wissenschaft darin, daß sie sich mit Gefühlen nicht abgibt.“
„Aber auf uns liegen so ernste Verantwortlichkeiten“, warf Frau Vandeleur schüchtern ein.
„Entsetzlich schwere“, stimmte Lady Agatha ein.
Lord Henry sah zu Herrn Erskine hinüber. „Die Menschheit nimmt sich selber zu ernst. Das ist die Todsünde der Welt. Wenn die Höhlenmenschen schon hätten lachen können, hätte die Weltgeschichte andere Wege eingeschlagen.“
„Ihre Worte klingen sehr tröstlich“, trillerte die Herzogin. „Ich habe immer eine Art Schuldgefühl gehabt, wenn ich Ihre liebe Tante besuchte, denn ich nehme nicht das geringste Interesse an East-End. In Zukunft werde ich ihr ohne zu erröten ins Gesicht sehen können.“
„Erröten ist ein vorzügliches Schönheitsmittel“, bemerkte Lord Henry.
„Nur wenn man jung ist“, antwortete sie. „Wenn eine alte Frau wie ich errötet, ist es ein sehr schlechtes Zeichen. Ach, Lord Henry, ich wünschte, Sie könnten mir sagen, wie man wieder jung wird!“
Er dachte einen Augenblick nach. „Können Sie sich an irgendeinen großen Fehler erinnern, den Sie in der Jugend begangen haben?“ fragte er dann, sie fest über den Tisch hin ansehend.
„An eine ganze Menge, fürchte ich!“ rief sie aus.