„Geh, Harry!“ rief der Jüngling. „Ich will allein sein. Basil, geh! Ach, könnt ihr nicht sehen, daß mir das Herz bricht?“ Heiße Tränen traten ihm in die Augen. Seine Lippen bebten, er drückte sich in die dunkelste Ecke der Loge, lehnte sich an die Wand und verbarg sein Gesicht in den Händen.

„Komm, Basil“, sagte Lord Henry mit seltsam zärtlicher Stimme; und die beiden jungen Männer gingen zusammen hinaus.

Ein paar Augenblicke später flammte die Rampe wieder auf, und der Vorhang rauschte zum dritten Akt in die Höhe. Dorian Gray ging auf seinen Platz zurück. Er sah bleich, abwesend, gleichgültig aus. Das Spiel schleppte sich weiter und schien endlos zu sein. Die Hälfte des Publikums ging weg, auf schweren Stiefeln trampelnd und lachend. Das Ganze war ein richtiges Fiasko. Der letzte Akt wurde beinah vor leeren Bänken gespielt. Der Vorhang fiel unter Zischen und höhnischem Gegrunze.

Sobald es aus war, stürzte Dorian Gray hinter die Kulissen in die Garderobe. Das Mädchen stand allein da, mit einem triumphierenden Zuge im Antlitz. Die Augen leuchteten in einem merkwürdigen Feuer. Eine Art Glanz umschwebte sie. Ihre halbgeöffneten Lippen lächelten wie ein Geheimnis, das ihnen allein bewußt war.

Als er eintrat, blickte sie ihn an und ein Ausdruck unsäglichen Glückes kam über sie. „Wie schlecht ich heute gespielt habe, Dorian!“ rief sie.

„Schrecklich“, antwortete er und sah sie voll Staunen an — „schrecklich. Es war geradezu fürchterlich. Bist du krank? Du hast keine Ahnung, wie es war. Keine Ahnung, was ich durchgemacht habe.“

Das Mädchen lächelte. „Dorian“, antwortete sie und zog seinen Namen mit einem musikalischen Klang in die Länge, als wäre er den roten Blüten ihres Mundes süßer als Honig — „Dorian, du hättest begreifen sollen. Aber jetzt begreifst du, nicht wahr?“

„Was?“ fragte er heftig.

„Warum ich heute abend so schlecht spielte. Warum ich immer schlecht spielen werde. Warum ich nie mehr gut spielen werde.“

Er zuckte die Achseln. „Du bist gewiß krank. Wenn du krank bist, solltest du nicht spielen. Du machst dich nur lächerlich. Meine Freunde haben sich gelangweilt. Ich ebenfalls.“