„Aber sie wußte ihn doch?“
„Nur meinen Vornamen, und den hat sie gewiß niemand gesagt. Sie erzählte mir einmal, daß alle sehr begierig seien, zu erfahren, wer ich sei und daß sie ihnen beständig sage, ich heiße der Prinz Märchenschön. Das war hübsch von ihr. Du mußt mir eine Zeichnung von Sibyl machen, Basil. Ich möchte von ihr gern etwas mehr haben als die Erinnerung an ein paar Küsse und einige gestammelte pathetische Worte.“
„Ich will versuchen, etwas zu machen, Dorian, wenn ich dir damit eine Freude bereite. Aber du mußt zu mir kommen und mir selbst wieder sitzen. Ich komme ohne dich nicht vom Fleck.“
„Ich kann dir nie wieder sitzen, Basil. Das ist unmöglich!“ rief Dorian und schrak zurück.
Der Maler starrte ihn an. „Mein lieber Junge, was für ein Unsinn“, rief er. „Willst du damit sagen, daß du mein Bild nicht gut findest? Wo ist es? Warum hast du den Wandschirm vorgestellt? Laß es mich sehen. Es ist die beste Arbeit, die ich je gemacht habe. Nimm den Schirm weg, Dorian! Es ist eine Schande, daß dein Bedienter mein Bild so versteckt. Ich merkte gleich, wie ich eintrat, daß das Zimmer ganz verändert sei.“
„Mein Diener hat nichts damit zu tun, Basil. Du glaubst doch nicht etwa, daß ich ihm irgendeine Anordnung in meinem Zimmer überlasse? Er ordnet zuweilen meine Blumen — das ist alles. Nein, ich habe es selbst getan. Das Licht war zu stark für das Bild.“
„Zu stark? Gewiß nicht, mein Lieber. Es hat einen untadeligen Platz. Laß mich's mal sehen!“ und Hallward schritt in die Zimmerecke.
Ein Schrei des Entsetzens entrang sich den Lippen Dorian Grays, und er stürzte sich zwischen den Maler und den Schirm. „Basil,“ sagte er und sah ganz bleich aus, „du darfst es nicht sehen. Ich will es nicht.“
„Mein eigenes Bild nicht sehen? Du meinst das doch nicht im Ernst! Warum soll ich es nicht sehen?“ rief Hallward lachend.