Watwa-Dorf, Urundi.

Der gewöhnliche Gruss eines Höheren besteht bei allen Wasinja, von Ukerewe bis Ussui, im Niederknien und Händeklatschen. Der Gegrüsste erwidert darauf nicht.

Die Wasinja sind zwar weniger unternehmungslustig als die Wanyamwesi, durch ihre Intelligenz und ihre Geschicklichkeit, die sich besonders in Schmiedearbeiten äussert, aber doch sicher berufen eine Rolle zu spielen.

Während die Wasinja schon von verschiedenen Reisenden, von Speke bis auf die neueste Zeit besucht und besonders von Stuhlmann vorzüglich beschrieben wurden, gelangen wir westlich von ihnen zu einem Bantustamm, von dem kaum mehr als der Name bekannt war: den Warundi. Mit den ihnen nahe verwandten Waha und Wanyaruanda bewohnen sie ein weites Gebiet, von Ussui bis zum Russisi, von Unyamwesi bis zum Tanganyika und reichen nördlich bis nahe an den Albert Edward-See. Ueberall stehen sie als »Wahutu« (Unterworfene) dem Adel der Watussi gegenüber.

Die Warundi sind zweifellos sehr alte Ansiedler der von ihnen bewohnten Gebiete; irgend welche Tradition über Einwanderung besteht, soviel ich erfahren konnte, nicht. Dennoch sind die Warundi wahrscheinlich keine Urbevölkerung, sondern eine solche haben wir in den Watwa zu sehen, welche überall im Lande verstreut leben. Der Name Watwa (oder Batwa) ist bekanntlich ein weit verbreiteter und wird hauptsächlich den Pygmäenvölkern in den südlichen Kongowäldern beigelegt. In den schwach bewohnten Urwäldern konnten die Watwa sich begreiflicherweise reiner erhalten als in dem offenen Urundi, inmitten einer dichten Ackerbaubevölkerung. Der Blutmischung waren hier die Wege geebnet und thatsächlich finden wir, dass die Watwa Urundi's durchschnittlich nicht kleiner sind als die umwohnenden Warundi.

Sie leben in kleinen Niederlassungen mit sehr schlechten Grashütten, benutzen im Gegensatz zu den Warundi, die stets auch Speere führen, ausschliesslich Bogen und Pfeile und lebten ursprünglich von der Jagd. Mit der Zunahme der Bevölkerung nahm jedoch das Erträgniss derselben ab, doch wandten sich die Watwa keineswegs dem Ackerbau, sondern der Töpferei zu. Mit einem Stück Kalebasse als einzigem Geräth und einem Schnurende zum Anbringen der Ornamente fertigen sie ungemein geschmackvolle Töpfe und Krüge an, welche sie an die Ackerbauer verkaufen.

Sie werden sehr verachtet und gelten als Pariastamm. Kein Mrundi würde aus demselben Gefäss wie ein Mtwa trinken, auch sollen Heirathen nicht vorkommen. Dennoch ist, wie gesagt, die Blutmischung unverkennbar und zwar nicht nur bei den Watwa, sondern auch bei den Warundi. Denn unter den vielfach hochgewachsenen Warundi trifft man, besonders im Norden, auffallend häufig Leute von etwa 1,35 m Höhe mit kurzem Hals, röthlichen Lippen und gedrungener Gestalt, auch erwachsene, auffallend lichtfarbige Weiber mit dem Kinde auf dem Rücken bei einer Höhe von 1,20 m.

Offenbar hat man es hier mit Fällen von Atavie zu thun, bei welchen der Typus einer Watwa-Urbevölkerung zu Tage tritt, welche in den Warundi aufgegangen ist. Die heutigen Watwa dagegen stellen nur einen von der herrschenden Rasse durch die Lebensweise unterschiedenen Pariastamm dar. Der Uebergang zwischen ihnen und den Kongo-Watwa bilden die Watwa der Berge westlich vom Tanganyika, die ebenfalls von Jagd und Töpferei leben, nach den Märkten der Eingeborenen kommen, jedoch bereits als Zwerge bekannt sind. Alle Watwa sollen eine eigene Sprache besitzen, doch konnte ich trotz vieler Bemühung nur Kirundi-Wörter von ihnen erhalten. Sie scheinen sehr stumpfsinnig, »tu wayovu« (Wir sind Elephantenjäger) ist das einzige, was sie auf alle Fragen antworten. Auch ihre Geräthschaften, mit Ausnahme jener für Töpferei, haben nichts charakteristisches und gleichen jenen der Warundi.

Wenn also auch in gewissen Distrikten eine Aufnahme von Watwa-Elementen bei den Warundi wahrscheinlich ist, so haben sie sich im Allgemeinen doch sehr rein und besonders von hamitischen (Watussi) Mischungen ziemlich frei erhalten.