Geisterhütten
der Waha.
Der Ackerbau wird mit grosser Sorgfalt betrieben und es macht sich in den Kulturpflanzen der Einfluss Unyamwesi's geltend. An die Stelle der Banane, die seltener wird, treten Sorghum und Mais, auch Maniok, Pataten, Hülsenfrüchte, Zuckerrohr, Tomaten, Grundnüsse und Tabak werden angebaut. Die ausgedehnten Waldwildnisse bieten gute Gelegenheit zur Jagd.
Die Viehzucht ist nicht bedeutend, der Rinderstand wurde durch Einfälle der Wangoni und im Süden auch der Massai decimirt. Doch trifft man noch ziemlich viel Kleinvieh und Hühner, auch Tauben, die in den im westlichen Unyamwesi gebräuchlichen Taubenschlägen gehalten werden. Bienenzucht ist sehr häufig, die Stöcke bestehen aus cylindrischen, mit Lehm bestrichenen Körben, die auf niedrigen Gestellen ruhen.
Die Waha verfertigen Rindenzeug nicht nur aus dem Ficus, sondern auch aus einem der Miombo-Gruppe angehörigen Waldbaum. Doch dient das aus letzterem gewonnene Zeug mehr zu Schlafmatten, da es steifer als das Ficuszeug ist. Auch die grossen Holzschachteln werden in ähnlicher Weise aus Baumrinden hergestellt und geschickt vernäht. Selbst Kanus zum Uebersetzen des Mlagarassi werden aus Baumrinde zusammengenäht. Zum Unterschied von den Warundi besitzen die Waha Trommeln länglicher Form in verschiedener Grösse.
Puppe der Waha. — Rindenzeughammer, Uha. — Trommel der Waha. — Speer der Waha.
Ihre Bewaffnung besteht aus Wurfspeeren, Bogen und Pfeil. Die Wurfspeere haben in den Schaft eingelassene Spitzen, sind leicht und werden stets zu zwei getragen. Doch sind auch die Warundi-Speere mit kürzeren Schäften und eine andere Speerform mit Schaftzwinge üblich, die angeblich die ursprüngliche sein soll. Die Pfeile sind zierlich gefertigt und gleichen jenen der Warundi; die Bogen sind nicht besonders kräftig. Schwerter in Holzscheiden sieht man nur vereinzelt. Originell ist eine aus Kalebassen und Stroh gefertigte Kinderpuppe.
Die Waha unterstehen kleineren Häuptlingen, welche theilweise Watussi-Blut haben. Den Verkehr mit der Aussenwelt vermittelt das Salz, welches in Uvinsa, im Süden des Landes, gewonnen wird und von sehr guter Qualität ist. Man trifft im Lande zahlreiche Wanyamwesi-Händler, welche Salz, Kleinvieh und Honig kaufen, und Messingdraht, wohl auch einzelne Gewehre einführen. Ebenso machen die Waha Reisen nach Unyamwesi und gelangen bis Tabora. Früher waren sie ihrer Ungastlichkeit halber berüchtigt, gegenwärtig lernte ich sie als gutmüthiges, freundliches Volk kennen, welches Europäern sehr geneigt scheint.
Es war oben schon mehrfach von den Wangoni oder Watuta die Rede, einem räuberischen Zulustamm, der vor jedenfalls nicht allzulanger Zeit aus Südafrika eingewandert ist und sich in Sprache, Tracht und Sitten sehr rein erhalten hat. Die Wangoni sassen früher in der Gegend von Urambo, von wo aus sie die Nachbargebiete verheerten. Nach ihrer Niederlage durch die deutsche Schutztruppe unter Lieutenant Langheld, zogen sie sich nach dem südlichen Ost-Ussui zurück, wo sie schöne Dörfer und Reiskulturen besitzen und vollkommen friedlich leben. Ich kam mit diesem merkwürdigen Stamm niemals in Berührung und kann daher nichts Näheres über denselben mittheilen.