Das Erträgniss dieser Reisen wird mit jedem Jahre geringer. Im deutschen Massai-Gebiet ist das Elfenbein nahezu erschöpft und fast alles, was an die Küste gebracht wird, stammt aus der englischen Interessensphäre. Doch liegen drei wichtige Centren des Massai-Handels, Ober- und Unter-Aruscha und Nguruman im deutschen Gebiet, von welchem allerdings nur Unter-Aruscha im Machtbereich der Kilimanjaro-Station liegt.
Da die Stämme, mit welchen die Karawanen in Verbindung treten Baumwollzeug wenig schätzen, so besteht die durch sie vermittelte Einfuhr fast nur in Eisen- und Messingdraht und Glasperlen. Feuerwaffen und Munition haben sie niemals in irgendwie nennenswerthen Qualitäten eingeführt, wie denn überhaupt ihr Einfluss auf das materielle Dasein der Eingeborenen ein ganz unbedeutender ist. Es liegt dies hauptsächlich darin, dass sie niemals im Innern dauernde Niederlassungen gründen, während solche für die Händler der Tabora-Route charakteristisch sind. Auf letzterer bewegen sich auch ständig Handelszüge der Eingeborenen nach der Küste, während von solchen in den Massai-Gebieten keine Rede ist.
Auch für den Tabora-Handel, der in Bagamoyo und Sadani seine Hafenplätze hat, sind Inder die eigentlichen Unternehmer. Vor Allem spielt das grosse Sansibar-Haus Tarya Topan eine leitende Rolle, als deren Agenten die hervorragendsten Araber, wie Tippo-Tip in Manyema, Saïd bin Omar in Irangi u. A. zu betrachten sind. Die Karawanenführer, überhaupt die Leiter der Inland-Unternehmungen sind jedoch fast ausschliesslich Araber. Diese haben von jeher das Vorgehen befolgt: Inlands-Stationen zu gründen und von diesen aus ihre kommerzielle Verbindung auf die Umgebung auszudehnen, die dann zur Gründung neuer Niederlassungen führte. So wurden Usagara und Irangi, und später auch Tabora begründet.
Um das Jahr 1830 drangen die Araber über Usagara hinaus nach Unyamwesi, begründeten aber erst 10 Jahre später eine Niederlassung in Kigandu, etwa zwei Tagereisen nördlich vom heutigen Tabora. Etwa gleichzeitig wurde Msenne bei Urambo begründet, welches lange Jahre »die Hauptstadt der Küstenaraber und Swahíli« war. Burton, der Msenne 1858 besuchte, fand dort zahlreiche grosse Temben und Hütten im Küstenstyl und konnte sämmtliche Tauschwaaren erhalten. Weit unbedeutender war zu Burtons Zeit Kazeh, ein Ort, nach welchem 1852 die Niederlassung in Unyanyembe von Kigandu aus verlegt wurde. 1840 wurde von Msenne aus Ujiji begründet und erst 1846 das heutige Tabora, das Anfangs unwichtig, später alle anderen Niederlassungen überflügelte und lange Zeit der Centralpunkt des Handels war.
Diese Stationen sind nicht nur Handelsniederlassungen, sondern auch Mittelpunkte für die Elephantenjagd, das sogenannte Makua-Geschäft. Dieses besteht darin, dass ein Araber oder Swahíli mit einem oder mehreren Elephantenjägern in ein Vertragsverhältniss tritt. Die ersten Jäger, welche vom Sultan Seyid Saïd eingeführt wurden, waren Makua, und dieser Name hat sich auf ihre Nachfolger übertragen, obwohl sie allen Stämmen des Küstengebietes und Unyamwesi's angehören. Sie leben in kleinen Gruppen unter Anführung eines »Fundi« (Meisters), welcher den Jagdzauber fertigt von dem alles abhängig gemacht wird. Viele kommen Jahrzehnte lang nicht nach der Küste, manche sind sogar im Innern aufgewachsen, alle werden durch das Leben in der Wildniss zu rauhen, trotzigen Gesellen.
Der Unternehmer versieht diese Leute mit Pulver und Gewehren, dann gehört von jedem erlegten Elephanten ein Zahn den Jägern und einer dem Kaufmann. Auf ihr Elfenbein erhalten die Jäger jedoch meist zu wucherischen Bedingungen Vorschüsse in Bedarfsartikeln, Zeug u. s. w. und kommen aus den Schulden nicht heraus. Dabei wird der Beruf ein immer mühsamerer, denn die Elephanten ziehen sich begreiflicherweise immer weiter in unbewohnte Gebiete zurück und schwinden überhaupt sehr merklich. An Orten wo sie früher zahlreich waren, wie am Gurui-Berg, sind sie nahezu ausgerottet. Die Jäger aus Usagara und Irangi durchstreifen jetzt hauptsächlich die östliche Massai-Steppe und das Umbugwe-Gebiet, jene von Usukuma beuten das Wembere-Gebiet aus und wagen sich in die Nyansa-Gegenden, ja bis Unyoro vor. Von Tabora aus gehen Jäger bis in die Wälder Manyema's.
Neben der Elephantenjagd geht der Elfenbeinhandel, welcher die Jagdergebnisse der Eingeborenen erwirbt. Doch machen den Küstenhändlern darin die Wanyamwesi sehr bedeutende Konkurrenz. Die Gebiete westlich am Nyansa und bis Unyoro hin sind fast gänzlich in den Händen der Warambo, jene der östlichen Gebiete werden neuerdings von den Wasukuma planmässig ausgebeutet. Die Araber sind am Victoria-See fast ganz aus dem Felde geschlagen, und der einzige, der neben den Eingeborenen bestehen kann, ist der Irländer Stokes, der sich eben vollkommen der Wanyamwesi-Methode angepasst hat.
Jene Händler, welche sich mit dem Makuageschäft und mit Elfenbeinhandel im Gebiet zwischen der Küste und den Seen abgeben, betreiben nur wenig Sklavenhandel und keinen Sklavenraub. In Despotenstaaten wie Ussui und Karagwe, in Ländern fortwährender Fehden wie Unyamwesi, bietet sich stets Gelegenheit zum Ankauf von einzelnen Kriegsgefangenen oder Verurtheilten. Dass ihre Zahl jedoch eine geringe ist, kann man schon aus der verschwindenden Menge von Sklaven aus diesem Gebiet schliessen, die man an der Küste findet. Auf 1000 Sklaven aus Manyema kommt höchstens einer aus Uganda und Unyamwesi und die Zahl der Manyema-Sklaven ist wieder verschwindend gegen die Hochfluth von Menschenwaare aus dem südlichen Schutzgebiet, den Wahiao, Wangindo, Wanyassa u. A., welche die Hauptmasse der Sklavenbevölkerung in Sansibar und an der Küste bilden. In früherer Zeit mag der Sklavenhandel zwischen der Küste und den Seen grössere Ausdehnung gehabt haben. Irgend welche Gewaltthaten waren jedoch kaum jemals direkt damit verbunden. Stets wird der Sklave gekauft, wenn auch nicht ausgeschlossen ist, dass die Händler die Eingeborenen zum Abfangen solcher verleiteten.
Ueberhaupt ist mit dem Eingeborenen-Verkehr zwischen Küste und Seegebiet ganz und gar nichts Gewaltthätiges verbunden. Die Träger erhalten einen Lohn und bestehen zum allergeringsten Theil aus unbesoldeten Sklaven. Nahrungsmittel werden gekauft und wenn auch einzelne Diebereien vorkommen, so ist doch sicher, dass die Karawanen in diesen Gebieten stets mehr von den Eingeborenen zu leiden hatten, als umgekehrt. Die Vorwürfe, welche in neuerer Zeit gegen die Missstände des Verkehrs erhoben wurden, scheinen mir daher, soweit sie die Eingeborenen-Karawanen betreffen, ziemlich unbegründet. Die Sicherung der Karawanenstrassen als Adern des Verkehrs wird daher mit Recht als eine der ersten Aufgaben der Kolonialverwaltung betrachtet. Damit wird auch der ohnehin unbedeutende Sklavenhandel schwinden.
Gegen die planmässige Ausrottung des Elephanten giebt es allerdings kein Mittel: denn welche Schutztruppe wäre im Stande den streifenden Jäger der Steppe zu kontrolliren? Das Einzige was geschehen könnte, wäre ein Verbot kleine Zähne, also solche der jungen Thiere, in den Handel zu bringen, ein Verbot, das durch Konfiskation solcher Zähne Nachdruck erhalten könnte. Die gleiche Maassregel wird im englischen Schutzgebiet geplant und würde den Vernichtungskrieg wenigstens etwas aufhalten.