Dabei ist das Salz vom Albert-Edward-See sehr minderwerthig und hält keinen Vergleich mit den Salzen Deutsch-Ostafrika's aus. Heute schon spielen dieselben im lokalen Verkehr die grösste Rolle. Durch die Wildheit der Massai und Wataturu waren die Salze von Mangati und Nyarasa nur schwer zugänglich und manche Handelskarawane erlag den kühnen Räubern der Steppe. Dennoch führt ein breiter, ausgetretener Pfad von Meatu nach den Salzlagern, und das Nyarasa-Salz ist in ganz Usukuma und dem östlichen Nyansa-Gebiet verbreitet. Das Mangati-Salz versorgt hauptsächlich die Gegenden um Irangi. Noch wichtiger ist das von Uvinsa, das heute schon einerseits nach Tabora, andererseits nach Manyema exportirt wird und den einzigen Verkehr mit den wilden Warundi vermittelt.
Eine Beschlagnahme und wenigstens einigermaassen planmässige Ausbeutung dieser Salzlager wäre heute schon ein keineswegs aussichtsloses Unternehmen. Wer z. B. eine Wasukuma-Karawane zum Nyarasa schickt, dort Salz auflesen lässt und dasselbe über den Nyansa nach der Westküste des Sees oder nach Uganda verfrachtet, der könnte dabei zweifellos seine Rechnung finden. Dasselbe wäre bezüglich des Tanganyika mit dem Uvinsa-Salz der Fall.
Neben Salz bildet Eisen in Hackenform ein Hauptmittel des eingeborenen Verkehrs. Centren für dessen Erzeugung sind Usinja und Irangi, von wo die Hacken über ganz Unyamwesi und Ugogo verbreitet werden, doch kommt Eisen für den europäischen Handel natürlich nicht in Betracht.
Von wilden Produkten des Pflanzenreiches ist Kautschuk zu nennen, der zwar weniger reichlich als im Küstengebiet, aber doch besonders im westlichen Nyansagebiet in ziemlichen Mengen vorkommt. Das massenhafte Auftreten von Akazien in den Steppen macht das Vorkommen von Gummi arabicum wahrscheinlich und auch sonst lässt sich von der botanischen Durchforschung des Landes manches hoffen. Holz kommt in den Caesalpinien-Wäldern Unyamwesi's, sowie in den Urwäldern des Massai-Plateaus reichlich und in guter Qualität vor, hat jedoch in so entfernten Gebieten als Exportartikel keine Bedeutung. Die Thierwelt liefert ausser Elephantenhauern auch Nilpferdzähne und Rhinoceroshörner als unbedeutende Nebenprodukte. Straussfedern kommen gar nicht in den Handel, obwohl der Vogel im Massailand häufig genug ist.
Wenn auch die nähere Erforschung noch manches Rohprodukt zu Tage fördern wird, so wäre es doch verfehlt, darauf zu grosse Hoffnungen setzen zu wollen. Die Möglichkeit einer Entwickelung liegt einzig im Ackerbau. Im Küstengebiet, besonders in dem fruchtbaren Usambára, ist Plantagenbau unter europäischer Leitung das aussichtsvollste Unternehmen. Im Innern jedoch ist vorläufig an solchen nicht zu denken und es muss der eingeborene Ackerbau an seine Stelle treten. Dazu braucht man anbaufähiges Land und Menschen, welche dieses Land bebauen. An beiden ist kein Ueberfluss, aber doch genügend vorhanden.
Im Hinterlande der Küste bis zum grossen Graben erheben sich die fruchtbaren Gebiete insular als Gebirge aus den weiten, fast gänzlich werthlosen Steppen. An die Berglandschaften von Usagara, Unguu, Usambára und Pare schliesst sich im Nordwesten der Kilimanjaro und Meru. Spärlicher sind die fruchtbaren Inseln in der Massai-Steppe; fast nur die nächste Umgebung der Berggruppen des Sogonoi, des Kissale und anderer sind anbaufähig. Besser ist die Sohle des Grabens, wo nacktes Wüstenland mit fruchtbaren, wasserreichen Gebieten wechselt. Zu den schönsten Strichen gehört jedoch das Massai-Plateau mit Iraku und dem Guruiberg, ein prächtiges, wasserreiches Hochgebiet mit fettem Boden und üppiger Vegetation, im Norden völlig brach liegend, im Süden, in Iraku, reich bebaut. Unyamwesi, dem wirthschaftlich auch die östlichen Nyansa-Gebiete, die Umgebung von Irangi und das südliche Uha beizurechnen sind, ist vorherrschend trockenes Land und häufig von Steppen und Miombo-Wäldern bedeckt. Dennoch ist das Land, wie sich zeigt, überall anbaufähig und der unermüdliche Eifer der Bewohner weiss diesem kargen Boden reiche Ernte abzugewinnen. Die Hochländer zwischen Nyansa und Tanganyika sind vorherrschend fruchtbar und nähern sich, was Wasserreichthum und Ueppigkeit anbelangt, stellenweise sogar dem Massai-Plateau. In Ussui giebt es zwar steinige, dürre Striche, doch sind solche nur vereinzelt, das ganze Gebiet muss als gutes bezeichnet werden.
Die Erforschung des nördlichen Deutsch-Ostafrika hat also im Allgemeinen günstigere Ergebnisse geliefert, als sich erwarten liess. Die weiten Steppenstriche, die auf älteren Karten angegeben waren, schrumpfen immer mehr zusammen und wo wasserlose Wüsten erwartet wurden, stiess die Forschung auf prächtige Hochländer, die aussichtsvollsten der Kolonie.
Was die Bevölkerungsdichtigkeit anbelangt, so wird es mir schwer, darüber auch nur annähernde Angaben zu machen. Die Nomaden entziehen sich nahezu jeder Beobachtung, sehr erschwert wird eine Untersuchung in Gegenden, wo keine Dörfer, sondern nur verstreute Siedelungen bestehen, und auch da, wo Dörfer vorhanden sind, war mein Routennetz ein zu weitmaschiges, um Schlüsse auf das ganze Gebiet zu gestatten. Ein besseres Material konnte ich 1890 für Usambára und seine Nachbargebiete gewinnen. Auf dieses gestützt, kann ich diesmal nur Vermuthungen über die Bewohnerzahl des Inneren aussprechen.
Die Steppengebiete, überhaupt alle jene, die nicht ständig besiedelt, sondern nur von Nomaden durchstreift werden, sind natürlich sehr schwach bewohnt. Die Zahl von 2 Einwohnern auf 10 Quadrat-Kilometer, welche ich 1890 für die Steppenstriche des Küstengebietes erhielt, dürfte auch hier annähernd der Wirklichkeit entsprechen. Eine direkte, wenn auch nur rohe Schätzung konnte ich in den besiedelten Ländern des abflusslosen Gebietes ausführen. Dieselbe basirt auf der Schätzung für Umbugwe, wo ich ca. 300 Temben zählte, für welche man eine durchschnittliche Bewohnerzahl von 10 rechnen muss, da manche Temben von mehreren Familien bewohnt sind und bis zu 40 Insassen und darüber haben.
Die Zahlen für die anderen Landschaften wurden nach dem allgemeinen Eindruck der Tembezahl im Vergleich zu Umbugwe angenommen. Es wären danach anzusetzen: