Reis wird in Usukuma, Unyanyembe und Urambo von Eingeborenen gebaut und wurde ursprünglich von Arabern importirt. Da die betreffende Varietät auch im Trockenen gedeiht, so steht einem Anwachsen dieser Kultur kein Hinderniss entgegen.
Baumwolle pflanzt man in Usukuma zur Herstellung des ungemein festen, einheimischen Baumwollzeuges. In Gegenden, wo das europäische Zeug eingeführt wird, schwindet diese Kultur, die hauptsächlich für die Tieflandsgebiete bestimmt erscheint.
Oelfrüchte, Sesam und Arachis pflanzt man in vielen Gegenden, letztere besonders massenhaft in Schaschi und es liesse sich bei geeigneten Transportmitteln schon jetzt ein namhafter Export erzielen. Palm-Oel produziren die Tanganyika-Ufer in grossen Mengen und versorgen selbst Tabora mit solchem.
Kaffee wird, soweit mir bekannt, in Deutsch Ost-Afrika nirgends, wohl aber in Uganda gebaut und liefert dort eine grossbohnige, dem Liberia-Kaffee ähnliche Sorte von mittelmässiger Qualität. Dieselbe könnte eben so gut in deutschem Gebiete gepflanzt werden.
Tabak wird fast überall in reichlichen Mengen, allerdings minderer Qualität gebaut und könnte heute schon einen Exportartikel liefern.
Produkte der Viehzucht spielen im Karawanenverkehr eine gewisse Rolle. Zeburinder, Ziegen und Schafe werden als Schlachtvieh an die Küste getrieben und dort meist mit sehr grossem Gewinn verkauft. Esel der guten Massai- und der schlechteren Wanyamwesi-Varietät gelangen auch oft an die Küste, wo sie sehr schwankende Preise von 5-40 Rps. erzielen. Die Seuche, welche in den letzten Jahren in Ost-Afrika wüthete, hat einen grossen Theil der Rinder hinweggerafft und nur langsam erholen sich die Viehzüchter von derselben. Rationelle Zucht, eventuell Veredelung durch fremde Rassen, kann viel zur Hebung der Viehzucht beitragen, auch muss auf die Ausbildung der Rinder zu Zugthieren Bedacht genommen werden, da die höhere Entwickelung des Ackerbaues solche unbedingt erfordern wird.
Die Esel sind heute schon ein nicht zu unterschätzendes Transportmittel und sowohl als Lastthiere, wie zum Karrenzug verwendbar. Veredelungen mit den im Innern vorzüglich gedeihenden Maskat-Eseln würden jedenfalls gute Resultate erzielen. —
Fast sämmtliche oben genannte Kulturpflanzen sind nicht afrikanischer Abkunft, sondern erst seit relativ kurzer Zeit eingeführt. Grade dieser Umstand beweist, dass man von den Afrikanern erwarten und hoffen kann sie zur weiteren Ausdehnung dieser Kulturen wie zur Annahme neuer Nutzpflanzen bereit zu finden.
Manche Stämme, vor Allem die Wanyamwesi, haben sich Bedürfnisse, hauptsächlich an Baumwollzeug, angeeignet, zu deren Befriedigung sie sich grosser Mühe unterziehen. Als Träger wandern sie nach der Küste, leisten dort oft Dienste als Arbeiter und kehren dann mit den europäischen Industrieerzeugnissen ins Innere zurück.
Mit dem Schwinden des Elfenbeins, mit der Eröffnung der Kongo- und Nyassaroute wird der grosse Karawanenverkehr und damit auch diese Einnahmequelle aufhören. Zwar werden die Leute an der Küste stets Arbeit finden, aber es scheint doch sicher, dass sie auch bereit sein werden, durch Anbau werthvoller Kulturpflanzen ihre Bedürfnisse zu decken, falls durch Verkehrsmittel die Märkte zu solchen geschaffen werden. Auch jene Stämme, welche gegenwärtig abseits der Handelsstrassen ein primitives Dasein führen, unter welchen sich jedoch hochbegabte und kräftige Völker, wie die Wambugwe und vor Allem die Warundi, befinden, werden sich Bedürfnisse aneignen und mit der Aussenwelt in Beziehung treten, sobald moderne Verkehrsmittel bis ins Innere führen.