Der Import nach diesen Gegenden besteht vor Allem in bedeutenden Mengen Baumwollzeug. Dieses wird wohl stets die erste Rolle spielen und gewinnt täglich an Verbreitung. Im südlichen Unyamwesi und Ost-Ussui hat es Fell- und Rindenkleidung fast vollkommen ersetzt, in Usukuma nimmt es ungeheuer zu. Nur im abflusslosen Gebiet ist fast ausschliesslich Lederkleidung üblich, während Urundi nur Rindenzeug kennt. Wie rasch jedoch Baumwollzeug solche nationalen Bekleidungsmittel verdrängen kann, zeigt das Beispiel in Umbugwe. Im März 1892, bis zu welchem Zeitpunkt das Land gänzlich unzugänglich war, sah ich dort ausschliesslich Lederkleidung. Als durch die Kämpfe der Expedition das Land erschlossen wurde, verbreitete sich Baumwollzeug mit unglaublicher Schnelligkeit und im Januar 1893 fand ich die meisten Eingeborenen damit bekleidet, während im März 1892 kaum ein Fetzen im ganzen Lande aufzutreiben war. Was die Qualität dieser Stoffe anbelangt, so verlieren die schlechten immer mehr an Beliebtheit. Die Erfolge des Irländers Stokes gegenüber seinen indischen und arabischen Konkurrenten liegen hauptsächlich darin, dass er gute und billige Stoffe verkauft, welche die Eingeborenen den schlechten vorziehen, auch wenn diese noch billiger sind.

Neben Baumwollstoffen könnte noch die Waffen- und Munitionseinfuhr genannt werden, die stets in bedeutenden Mengen stattfand. Dieselbe steht jedoch in so innigem Zusammenhange mit dem Sklavenhandel und könnte eine so bedrohliche Macht im Rücken des Küstengebietes schaffen, dass ihre strenge Unterdrückung bekanntlich zu den wichtigsten, durch internationale Verträge verbürgten Aufgaben der deutschen Kolonialverwaltung gehört. Es kommen also nur mehr Nebenartikel, wie Glasperlen, Metalldraht, Produkte der Eisenindustrie u. s. w. in Betracht.

Dass diese Länder eine kolossale Konsumtionsfähigkeit besitzen ist zweifellos. Um jedoch die Völker zu Konsumenten zu machen, bedarf es vor allem der Hebung der eingeborenen Produktion durch Herstellung geordneter Zustände und durch Schaffen von Verkehrsmitteln, welche den kostspieligen, für minderwerthige Produkte ungeeigneten Trägertransport vortheilhaft ersetzen.

Was die unbewohnten Gebiete anbelangt, so scheint mir deren allmähliche Besiedelung in hohem Grade wünschenswerth. Dieselbe muss durch eingeborene Einwanderung begonnen werden, welcher dann vielleicht eine fremde Einwanderung folgen kann.

Bei der eingeborenen Einwanderung denke ich vor Allem an die Wanyamwesi, die heute schon mit Vorliebe Kolonien in anderen Gegenden gründen. Ihre Arbeitskraft, Zähigkeit und Intelligenz macht sie zu Kulturträgern ersten Ranges, wie man in Unyanganyi und Ussandaui sehen kann, wo Wanyamwesi-Ansiedler die wilden Eingeborenen vollkommen gebändigt und das Land dem Handel erschlossen haben. Die Förderung und systematische Anlegung solcher Kolonien gerade im abflusslosen Gebiet scheint mir von hervorragender Wichtigkeit. Jede solche Niederlassung vertritt, wenn sie unter gehöriger Aufsicht steht, eine Station mit einem Europäer; ohne Schutztruppe, ohne Weissen kann man hier dasselbe Ziel, die Sicherung der Strassen, die allmähliche Heranbildung der Eingeborenen, erreichen. Menschenmaterial findet man in Unyamwesi genug, denn der Unternehmungsgeist dieses merkwürdigen Volkes treibt Angehörige desselben immer wieder in die Ferne. Solche Kolonien unter primitiven Völkern, wie Wafiomi, Wanyairamba, Wanyaturu u. s. w. wären ein äusserst nützliches Ferment. Wo sie heute bestehen, sieht man deutlich, wie die Eingeborenen mehr und mehr ihre ursprünglichen Sitten verlassen und sich dem Wanyamwesi-Typus nähern, eine Umwandlung, welche der Ethnograph vielleicht beweint, der Kolonialpolitiker aber nur mit Freuden begrüssen kann.

Dass ähnliche Niederlassungen unter europäischer Aegide möglich sind, zeigt meine Begründung einer Wanyamwesi-Kolonie in Umbugwe unter Mwanangwa Swetu. Dieselbe erblühte unglaublich rasch und war für meine Nachfolger Kompagnieführer Langheld und Herrn Wolf ein Stützpunkt von hohem Werth, erfüllt also genau denselben Zweck als eine Station mit einem Europäer, nur dass die Kosten monatlich nicht mehr als 5 Rps. betragen! Solche Ansiedler, die ihre Existenz an ein Land knüpfen haben eben ein direktes Interesse mit den Eingeborenen einen modus vivendi zu finden und verstehen es rasch zu Einfluss zu gelangen. Anderseits ist ihnen das Wohlwollen und die Unterstützung der Europäer von so hohem Werth, dass sie sich sorgfältig hüten es mit diesen zu verderben. Natürlich muss ihre Autorität den Eingeborenen gegenüber eine gewisse Stütze erhalten; diese liesse sich jedoch von einer europäischen Station aus leicht gewähren, die gleichzeitig die Ueberwachung dieser Wanyamwesi-Kolonien zu leiten hätte.

Wenn schon im besiedelten Theil des abflusslosen Gebietes solche Wanyamwesi-Niederlassungen den höchsten Werth hätten, so wäre dies noch mehr im Massai-Land, hauptsächlich in Mutyek und bis Serengeti hin der Fall. Dass es möglich wäre Leute zu finden, die sich in den genannten Gegenden sowie in den Massai-Steppen, am Donyo Kissale u. s. w. niederlassen und dadurch diese Gebiete zugänglich machen, scheint mir völlig zweifellos. Von den Massai ist, wie ich ausdrücklich betone, weder bezüglich solcher Ansiedelungen noch überhaupt das Geringste zu fürchten. Ihre Hauptmacht ist gebrochen, auch sind sie, wie sich in der englischen Interessensphäre täglich zeigt keineswegs so schroff ablehnend wie stets angenommen wurde.

Eine wenn auch noch so sporadische Besiedelung durch eingeborene Ackerbauer muss vorangehen, bevor an die Einleitung einer fremden europäischen Einwanderung gedacht werden kann. Wenn es überhaupt Gebiete im tropischen Afrika giebt, die für solche Ansiedelung geeignet sind, so sind es die deutschen Massai-Gebiete von Iraku bis Mau, wo Höhenklima sich mit Wasserreichthum paart. Allerdings wäre es verfehlt, direkt einen diesbezüglichen Versuch einzuleiten. Zu einem solchen eignen sich die küstennahen Hochweide-Gebiete Usambára's und Pare's, vielleicht auch des Kilimanjaro am meisten. Da die für Europäer geeigneten Striche dieser Landschaften immerhin nur kleine sind, so muss jedoch schon von vornherein an die Möglichkeit einer Besiedelung der Massai-Gebiete gedacht werden, die vor Allem durch Anlage von Wanyamwesi-Kolonien eingeleitet werden könnte.

Denn nur in den Hochgebieten, die eben in geschlossenen Massen im Massailand vorhanden sind, kann an die Möglichkeit europäischer Ansiedelungen gedacht werden. Die Tiefländer unter 1200 m Seehöhe sind nirgends malariafrei und gestatten daher Europäern eine dauernde Niederlassung nicht. Ob für diese weiten, spärlich bewohnten Striche vielleicht eine andere fremde, etwa chinesische oder indische Einwanderung in Betracht käme, mag dahingestellt bleiben: Raum genug für eine solche wäre jedenfalls vorhanden.

Wie immer man jedoch die wirthschaftliche Zukunft des Innern Ostafrika's betrachtet, stets stösst man auf die Schwierigkeit der Transportmittel, deren heutige Form jede Entwickelung hemmt. Durch Trägerkarawanen lässt sich eben nur Elfenbein, vielleicht auch Vieh und Esel mit grosser Schwierigkeit nach der Küste schaffen. Alle anderen Produkte, vor allem jene des Ackerbaus, die doch die eigentliche Zukunft des Landes bilden, sind auf diesem Wege nicht zu befördern, da sie die Kosten solchen Transportes nicht lohnen.