Der Typus der Biotitgranite liegt vor in einem ziemlich feinkörnigen Gestein von
»Nyambijerwa, Ikiju, 11. April 1892«,
welches ein gleichmässiges, krystallinisches Gemenge von Feldspath, Quarz und Biotitblättchen darstellt, deren Dimensionen gewöhnlich nur 1 mm Durchmesser erreichen. Im Dünnschliff zeigt sich, dass die Constituenten, wie das schon aus dem makroskopischen Aussehen des Gesteins sich schliessen lässt, im Ganzen noch sehr frisch und wenig von Zersetzungsvorgängen berührt sind. Die Feldspathe, ungefähr je zur Hälfte dem Orthoklas und der Plagioklasreihe angehörig, sind meist gut automorph gegenüber dem Quarz. Die Orthoklase zeigen nur spärlich und dann in ihren innersten Theilen den Beginn einer durch Zersetzung erzeugten Trübung; in ganz einzelnen Fällen lassen sich übrigens schon federartige Lamellen von Kaliglimmer erkennen, die aus einem Haufwerk von matten, nicht polarisirenden Kaolinsubstanzen herauswachsen. Etwas weiter ist gewöhnlich die Trübung der Plagioklase vorgeschritten, die sich ohnehin durch ihre Zwillingsstreifung bereits im Handstück von den orthotomen Feldspathen unterscheiden lassen und die nach den ausgeführten Bestimmungen der Auslöschungsschiefe (+ 2 bis 4° auf P) und dem Grade ihrer Aetzungsfähigkeit mehr zu den sauren Gliedern der Albit-Oligoklas-Familie zu gehören scheinen. Gänzlich xenomorph treten zwischen den Feldspathen und Quarzen hin und wieder kleine Partien von schön gegittertem Mikroklin auf. Da dieser gegen die benachbarten Feldspathe meist scharf abgegrenzt erscheint und augenfällig die Rolle einer Ausfüllungsmasse spielt, möchte man ihn, wenn nicht als ein rein chemisches Secundärproduct, doch eher als eines der letzten Glieder im Verfestigungsprozesse, wie ein durch dynamische Wirkungen erzeugtes Product aus anderen Feldspathen betrachten. Ohnehin sind Erscheinungen, welche darauf schliessen lassen, dass das Gestein den Pressungen des Gebirgsdrucks in bemerkenswerthem Grade ausgesetzt gewesen wäre, nicht zu beobachten. Die schwarzen Biotitblättchen werden im Dünnschliff bronzeschimmernd mit bräunlichgelber Farbe durchsichtig; nicht selten sind sie mit Magnetitkryställchen verwachsen und hin und wieder zeigt sich auf den Spaltflächen die Neubildung von grünlicher Chloritsubstanz. Vom Magneteisen abgesehen sind Accessorien selten; nur kleine Apatitsäulchen finden sich spärlich als Einschlüsse im Quarz und Feldspath.
Grobkörnige Biotitgranite liegen vor von
1. »der Hügelkette vor dem Kiruwassile Berg, 30. März 1892«,
2. »Ngurunga vor Ikiju, 7h 41 a. m. vom 8. April 1892.«
Milchweisse Feldspathe von etwas mattem Aussehen und wasserhelle, starkglänzende Quarze, zuweilen von undeutlich dihexaedrischer Form bilden die Hauptmasse des ersteren Gesteins; in derselben ziemlich gleichmässig vertheilt erscheinen dunkle Magnesiaglimmer, die sich bei näherer Betrachtung in blättrig-filzige Aggregate verwandelt erweisen; wie der Dünnschliff lehrt, bestehen diese zum Theil aus gelbgrünem Epidot und grünem chloritartigen Glimmer, in dem sagenitartig verwachsene Rutilnädelchen liegen, während die schwer durchsichtigen, körnigen Randpartien vorzugsweise aus Titanit gebildet zu sein scheinen. Die Quarze bergen zahlreiche Flüssigkeitseinschlüsse, winzige (Turmalin?) Nädelchen und opake Erzpartikelchen, welche bald wolkig vergesellschaftet sind, bald auch zu Reihen geordnet, die Quarzindividuen durchschwärmen; daneben finden sich dickere, quergegliederte Prismen von Apatit und modellmässig scharf ausgebildeten Zirkonkryställchen, letztere oft mit deutlich zonarem Bau. Die Feldspathe sind vorwiegend Plagioklase; demnach würde das Gestein eigentlich als Granitit zu bezeichnen sein; sie erscheinen unter dem Mikroskop stark zersetzt und in Haufwerke von Körnchen, Blättchen und kleinen Säulchen umgewandelt; wo die letzteren grössere Dimensionen erreichen, deutet die intensiv blaue Polarisationsfarbe und die gerade Auslöschung auf Zoisit, während die farblose Grundsubstanz, die jene Aggregate einschliesst und, stellenweise ärmer an denselben, zwischen ihnen hindurchschimmert, optisch und chemisch sich als Skapolith erweist. Hingegen sind die seltenen, mit Albitlamellen perthitisch durchwachsenen Orthoklase relativ wenig verändert und enthalten, wie die Quarze, vorzugsweise primäre Einlagerungen.
Das Gestein von Ngurunga gehört zu den biotitärmeren Graniten und zeichnet sich von den besprochenen beiden Vorkommen auch durch die intensiv fleischrothe Färbung seiner Feldspathe aus. Die Quarze sind noch reicher an Flüssigkeitseinschlüssen mit lebhaft beweglichen Libellen; bei der Umwandlung der Feldspathe tritt jedoch die Neuproduktion von Zoisit hinter der einfachen Skapolithisirung zurück, mit der, abgesehen von der nicht unbeträchtlichen Ausscheidung von Quarz, die Ausbreitung von Eisenoxydhydratlamellen auf den Spaltrissen und Grenzflächen der einzelnen Individuen Hand in Hand gegangen zu sein scheint.
In dem mittelkörnigen Biotitgranit vom
»Semufluss, Meatu, 22. Juni 1892,«